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Höhenprofil

Donnerstag, 25. Juli 2013

Tag 3: Nach Südtirol

Innsbrucker Hütte - Gschnitztal - Tribulaunhütte (ö) - Pflerscher Scharte - Tribulaunhütte (i) - Pflerschtal Streckenbeschreibung

Kilometer: ~25 km - Höhenmeter: +1350 hm / -2450 hm - Maximale Höhe: 2599 m - Max: 50 km/h - Temperatur: 14 - 36 C°

Innsbrucker Hütte (2369 m) am Morgen
Innsbrucker Hütte (2369 m) am Morgen
Innsbrucker Hütte mit Tribulaunen
Innsbrucker Hütte mit Tribulaunen
Innsbrucker Hütte, Habicht, Trail
Innsbrucker Hütte, Habicht, Trail

Super Wetter empfängt uns an diesem Morgen, blauer Himmel, die Sicht ist klar. Das ist schön. Tief unter uns liegt in Richtung Süden das Gschnitztal (1242 m) zu unseren Füßen. Da müssen wir jetzt irgendwie hinunter. Und direkt wieder hoch. Denn dicht dahinter sehen wir die markanten Tribulaunspitzen (3097 m). Dorthin geht es weiter, da beginnt Südtirol. Luftlinie könnte man fast hinüber spucken. Mit dem Rad wird es anstrengender. Wie eine Wand liegt dieser nächste Kamm in unserem Weg. Die Alpen sind schon ein ganz ordentliches Hindernis.

Schuttreiße
Schuttreiße
Abfahrt ins Gschnitztal
Abfahrt ins Gschnitztal
Abfahrt ins Gschnitztal
Abfahrt ins Gschnitztal

Wir verlassen unsere Bleibe und lassen die Wanderer am Nebelverhüllten Habicht alleine. Auf uns soll dagegen eine Traumabfahrt warten. Zunächst ist der Weg aber stark ausgesetzt und mir rutscht jedesmal das Herz in die Hose, wenn von den anderen beiden einer zu fahren versucht. An weniger exponierten Stellen versuche ich es auch mal und lege mich prompt nach rechts auf den Abhang. Ich bleibe direkt auf dem Rücken liegen, das Rad auch, der Schulter ist nix passiert. Also alles gut? Im Grunde ja, bis ich wenig später sehe, wo ich da eigentlich gefallen bin. Etwa 20 Meter steil abfallende Wiese waren der Landeplatz, danach senkrechte Tiefe. Ich versuche das Ereignis zu ignorieren. Etwas brenzlig wird es auch noch einmal bei einer frisch zugeschobenen Schuttreise. Die losen Steinchen verhindern jeglichen Halt und unterhalb geht es ebenfalls wieder ins senkrechte Gelände. Da ein Umgehen nicht möglich ist, setze ich mich auf den Hintern in die Steine und grabe mich mit den Füßen so tief ein, dass ich das Gefühl von Halt bekomme. Mit einer Hand hebe ich so die Räder über mich hinweg. Das ist nicht ungefährlich. Nach dem Ross und Reiter hinüber manövriert sind, genießen wir endlich den Rest der Abfahrt, die sich nun weniger gefährlich in vielen, vielen Kehren ins Tal windet. Durchaus lohnend dieser Übergang, da der Aufstieg mit dem frisch gebaggerten Weg eher einfach ist.

Am Fuße der Tribulaune
Am Fuße der Tribulaune

Das Gschnitztal (1242 m) ist – wie eigentlich alle Täler auf unserer Strecke – als Seitental von der Brennerautobahn aus zu erreichen. Bis auf das sehr bekannte Stubaital führen die Täler allerdings ein zurückhaltenderes Leben und es findet nur mäßiger Tourismus statt. Auch wir halten uns nicht lange auf, denn wir müssen ohne Warteschleifen die gerade vernichteten Höhenmeter wieder hinauf. Ziel für heute ist das südtiroler Pflerschtal, das hinter der nächsten Bergkette liegt. Der Weg dorthin führt über die Pflerscher Scharte (2599 m), die bereits auf dem Papier einen sehr imposanten Eindruck macht. Ein kurzes Stück geht es noch taleinwärts im Gschnitztal, dann endet die Straße und nach Süden beginnt die Piste zur östereichischen Tribulaunhütte (2064 m). Zunächst etwas im Schatten, haben wir bald das übliche Bild: steile Auffahrt in brutzelnder Mittagssonne von vorne. Auch unterhalb der Baumgrenze kaum Schatten. Im Vergleich zu den letzten Tagen ist der Weg zwar etwas flacher, zeigt aber in Richtung Talschluss richtig Zähne. Bevor wir in einem Schlenker zur Tribulaunhütte geführt werden, ist er so steil, dass ich fast beim Schieben kapitulieren muss. Ich hänge nun deutlich hinter dem Feld zurück. Es bleibt kaum Puste, um mal nach oben zu schauen und die über uns thronenden Tribulaunspitzen zu bewundern.

Östereichische Tribulaunhütte
Östereichische Tribulaunhütte

Ich bin sehr froh, als wir endlich die (ungewöhnliche) Tribulaun-Hütte erreichen und uns Etwas zu Mittag einschieben können. Die Pause habe ich gerade sehr, sehr nötig. So bleibt Zeit, um schon mal den Blick hinüber zur Pflerscher Scharte wandern zu lassen. Es gibt einen zunächst flachen Weg am Fuße der Tribulaune, der allerdings von einigen Schneefeldern überzogen ist. Von hier können wir sie nicht einschätzen. Ein anderer Weg führt weiter unten von der Piste, die wir hinauf gekommen sind, in direkter Linie hinauf zur Scharte. Das bedeutet zusätzliche Höhenmeter. Von den Leuten aus der Hütte erfahren wir, dass die meisten Mountainbiker einen schönen Trail zurück ins Gschnitztal hinunter fahren. Das ist leider die falsche Richtung ...

Schneewände
Schneewände
Schneebrett
Schneebrett

Wir haben entschieden, es erst mal mit der flachen Wegvariante zu versuchen. Bereits der Einstieg gestaltet sich schwierig, da genau an der Stelle, an der der Weg vom Fahrweg abzweigt, links und rechts Schneewände stehen geblieben sind. Nach dem Bewältigen dieser Hürde erreichen wir ziemlich schnell das erste Schneefeld, das gut 20 m breit ist. Wir sehen aufgrund des bretthart gefrorenen Untergrundes keine Möglichkeit, sinnvoll hinüber zu gelangen. Einmal ins Rutschen gekommen, ist erst 50 m weiter unten im Geröll Schluss. Schmerzhaft oder noch schlimmer. Am oberen Rand des Schnees ist zur Tribulaun-Felswand hin (noch) nicht genug Platz, um das Hindernis dort zu umklettern. Es bleibt also nichts anderes, als zurück zum Fahrweg, ein Stück abfahren und die Direttissima angehen.

Aufstieg Pflerscher Scharte (2599 m)
Aufstieg Pflerscher Scharte (2599 m)
Pflerscher Scharte (2599 m)
Pflerscher Scharte (2599 m)

Diese verdient diesen Namen allerdings zurecht. Der Weg führt ohne Umschweife die Höhenlinien hinauf. Wir haben schnell die Räder auf dem Rücken und stapfen über wiesiges Gelände teils weglos den schlecht sichtbaren Markierungen hinterher. Weiter oben wird der Untergrund lockerer und felsiger und es ist schon ziemlich schwierig, sich mit dem Rad auf dem Buckel überhaupt auf zwei Beinen zu halten ohne wegzurutschen. Ausgesetzt ist der Weg zum Glück nicht. Die letzten 300 Höhenmeter vereinen sich beide Wege und alle müssen das Gequäle mit machen. Zur Ablenkung aber alles bei grandiosen Ausblicken. Unter uns die Tribulaunhütte, tief eingeschnitten das Gschnitztal, und im Norden noch einmal die Innsbrucker Hütte.

An der Pflerscher Scharte (2599 m) kommt gar kein so großes Glücksgefühl auf, obwohl wir gerade 600 hm Geschleppe hinter uns gebracht haben. Zu normal erscheint diese Art der Fortbewegung auf der Tour, als das der Eindruck aufkommen könnte, gerade eben etwas Besonderes geleistet zu haben. Das ist allerdings Gejammere auf hohem Niveau. Denn natürlich ist es toll, hier oben zu stehen! Der Übergang ist zwar nicht das Dach der Route, aber er war (im Nachhinein) tatsächlich das anstrengenste Stück. Wenn die Abfahrt passt, ist alles gleich wieder vergessen.

Italienische Tribulaunhütte
Italienische Tribulaunhütte
Ital. Tribulaunhütte mit Pflerscher Scharte (2599 m)
Ital. Tribulaunhütte mit Pflerscher Scharte (2599 m)

In Richtung Süden blicken wir nun nach Südtirol und das Pflerschtal. Aber da ist nicht wirklich ein sichtbarer Unterschied zu den Bergen in der anderen Richtung. Nur die italienische Tribulaunhütte (2374 m), die unter uns an einem See liegt, unterscheidet sich deutlich von ihrem österreichischen Counterpart. Der Weg dorthin ist teilweise fahrbar und damit sogar besser, als im Norden. Da wir gut in der Zeit liegen, stoppen wir an der Hütte und genehmigen uns auf der sonnigen Terasse noch eine kleine flüssige Stärkung. Der zweite Teil der Abfahrt ist als S3 beschrieben und wird einige Kraft kosten. Man könnte die Etappe auch hier beenden. Die Wirtin ist nett und die Lage der Hütte schön. Allerdings macht mich der teilweise morbide Charme italienischer Hütten nicht besonders an. Duschen gibt es sicher nicht, es existiert auch kein Fahrweg hier hinauf, was die Versorgung aufwändig macht.

Abfahrt ins Pflerschtal
Abfahrt ins Pflerschtal

Der weitere Weg ist tatsächlich verblockter, aber nicht in dem Maße, wie befürchtet. Wir können viel fahren. Extrem anstrengend ist es allerdings. Auch weiter unten durch die Wiesen ist noch keine Entspannung möglich. Der Grasbewuchs nimmt unangenehm zu und der Weg nimmt kein Ende. Eine gefühlte Undendlichkeit werden die Höhenmeter hinuntergezählt. So kommt es, dass wir im Talgrund des Pflerschtals (1245 m) aus Zeitgründen kurz den Track verlassen, um wenig später doch wieder auf der Route zu landen. Nun ist aber nur noch kurzes Ausrollen. Die ersten Häuser sind bereits sichtbar und nach einem letzten Stück Trail stehen wir vor dem Hotel Feuerstein, dem offiziellen Ziel aus dem Roadbook. Es ist eine Menge los und so spontan gibt es keinen Platz für uns. Billig wäre das hier sicher nicht geworden. Weiter das Tal hinunter bieten sich aber weitere Möglichkeiten, und wir werden zu einem akzeptablen Preis im noch sehr neuen Hotel Argentum aufgenommen. Nur um die vorhandenen Wellnessmöglichkeiten zu nutzen, ist es leider schon zu spät.

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