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Höhenprofil

Freitag, 26. Juli 2013

Tag 4: Rumgeeiere

Pflerschtal (St. Anton) - Vallmingalm - Roskopf - Ridnauntal Streckenbeschreibung

Kilometer: 25 km - Höhenmeter: +1000 hm / -900 hm - Maximale Höhe: 1950 m - Max: 50 km/h - Temperatur: 20 - 45 C° (Sonne)

Hotel Argentum (1245 m) im Pflerschtal
Hotel Argentum (1245 m) im Pflerschtal

Die 4. Etappe führt laut Roadbook in einem Bogen eher flach um den nächsten Bergkamm herum bis ins Ridnauntal, oder alternativ in einer direkten Linie über die Maurerscharte (2511 m). Letztere wäre vom Profil gewohntes Pflaster, nämlich viele hundert Meter hoch tragen, um dann auf einem harten Trail wieder hinunter zu hoppeln. Auf beides haben wir erst mal keine Lust, uns steht der Sinn nach einem Ruhetag bzw. einer Etappe, die einfach mal anders ist. Hinunter gäbe es zwar auch eine Piste, doch die Wahl steht. Wir folgen der Originalroute, also keine Maurerscharte. Wir werden diese Entscheidung allerdings bald verfluchen.

Blick zurück ins Pflerschtal
Blick zurück ins Pflerschtal

Die Nacht war die erste ohne Regen, nun scheint wie gewohnt die Sonne. Direkt am Hotel beginnt der gemütliche, eher langweilige Aufstieg durch den Wald zum Ladurnser Skigebiet. Dort biegen wir auf den schmalen Dolomieuweg ab, der gleich vielversprechend durch den Tannenwald führt. Doch der Spaß währt nur kurz. Zunächst leicht ansteigend, später steiler, führt der Pfad durch die Latschenkiefern. Schon wieder befinden wir uns neben und kurzzeitig auch unter den Rädern. So verlernt man auch nix. Ab und zu gibt es schöne Blicke zurück ins Pflerschtal und auf die Tribulaune. Trotzdem haben wir uns den Tagesanfang etwas anders vorgestellt. Vielleicht hätte ich das Roadbook für diesen Tag genauer lesen sollen.

Pause an der Vallimingalm (1814 m)
Pause an der Vallimingalm (1814 m)

Die letzten Meter zur Vallimingalm (1814 m) geht es leicht abwärts und endlich mit etwas Tempo. Die Jause liegt sehr schön an der Rückseite des Roßkopfes und ist von der Seilbahn nur durch eine Wanderung zu erreichen. Wir machen eine längere Pause und futtern bereits unser Mittagsmenü. Die Stimmung ist wegen der bisher mäßig spaßigen Strecke im Gegensatz zur Erwartungshaltung etwas gedämpft. Ein Ruhetag ist es jetzt schon nicht mehr. Der weitere Weg um den Roßkopf herum ist ebenfalls nicht gänzlich fahrbar, denn einige Abschnitte führen zu steil nach oben.

Abfahrt ins Ridnauntal
Abfahrt ins Ridnauntal
Querung unterhalb des Roßkopfs
Querung unterhalb des Roßkopfs

Am Tümpel Kastellacke haben wir offensichtlich die Zielhöhe erreicht. Die Zahl der Wanderer nimmt jetzt deutlich zu. Wir sind sicher nicht mehr weit von der Seilbahn entfernt, die von Sterzing hinauf kommt. Die Route versucht nun auf Pfaden quer durch das Skigebiet Roßkopf höhengleich ins Ridnauntal einzubiegen. Dies funktioniert auch ausgezeichnet. Die Landschaft ist allerdings komplett uninteressant, nur die Aussicht in die Ferne gefällt. Wir queren Lifte, Skipisten und ausgefahrene Wege. Unsere Hoffnung ist eine schöne Abfahrt ins Ridnauntal. Dabei ist die Routenführung hinunter trotz GPS und Track nicht ganz einfach. Es gibt viele Wege, und die Übersicht ist am Rande der Baumgrenze limitiert. Die Kompasskarte ist chancenlos. Zunächst passieren wir auf steiler Piste die Freund Alm. Dann verlassen wir den Fahrweg und müssen weglos über eine steile Wiese hinunter, um dann urplötzlich nach rechts ins Gestrüpp abzubiegen. Der Pfad ist jetzt oft schmal und hängt sehr schräg. Wieder können wir nicht fahren, weil die Pedale in die Wiese einschlagen. Auch Schieben ist auf dem schmalen Weg ein Elend. Spätestens jetzt ist klar, welcher Murks die heutige Routenführung ist. Dieses andauernde Rumgeeiere muss man sich wirklich nicht geben. Wären wir doch nur zur Maurerscharte aufgebrochen. Dort ist die Aufgabenstellung wenigstens klar: hoch und wieder runter. Das halbgare Gestochere hier im Wald ist keine Erleichterung, geschweige denn als Ruhetag zu gebrauchen.

Als wir endlich im Ridnauntal ankommen (1342 m) steuern wir direkt den Gassenhof an. Dieses Hotel ist nicht nur als Empfehlung im Buch angegeben, ich war auch 1999 bereits dort und habe sehr gute Erinnerungen. Leider hat sich in den fast 15 Jahren preistechnisch einiges getan. Bei fast 100 € pro Person starten wir lässig durch und versuchen etwas anderes zu finden. Dies sollte sich aber als schwierig erweisen. Beim Versuch etwas zu finden, das ansprechend und nicht zu teuer ist, fahren wir erfolglos bis nach Maiern. Die dortigen Hotels sind allerdings mindestens dieselbe Klasse wie der Gassenhof. Also noch einmal zurück. So langsam rinnt die Zeit von dannen. Unruhe kommt auf.

Feierabend in einer stylischen Pizzeria in Ridnaun (1)
Feierabend in einer stylischen Pizzeria in Ridnaun (1)
Feierabend in einer stylischen Pizzeria in Ridnaun (2)
Feierabend in einer stylischen Pizzeria in Ridnaun (2)

Bisher ausgelassen haben wir die Ferienappartements Rainer. Dies war wohl ein Fehler, denn die wirklich nette Wirtin kümmert sich gleich um uns und gibt uns eines der Appartements für eine Nacht, inklusive Frühstück. Nur zum Abendessen müssen wir uns etwas suchen. Dies fällt leicht. Wir nehmen noch einmal die Räder und steuern die Pizzeria zum Pfitscher an, bei der wir zuvor bereits erfolglos um Obdach gebeten hatten. Die dortige Pizza ist wirklich Sonderklasse! Sind italienische Pizzen normalerweise eher genormter Einheitsbrei, so passt diese überhaupt nicht ins Schema. Es ist alles anders. Einfach super. Dasselbe kann man über die Pizzeria selbst sagen. Aus einem alten verfallenen, schiefen Stall hat der Besitzer mit modernen Ausstattungselementen ein Haus geschaffen, das uns rundum ins Staunen versetzt. Einfach geil. Nach dem wir die Pizza auf der Terasse verdrückt haben, genehmigen wir uns an der Bar noch ein paar Absacker, um den verunglückten Tag in diesem tollen Ambiente zu einem zufriedenen Ende zu bringen. Draußen kommt in der Zwischenzeit der nächste Feierabendregen herunter.

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