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Samstag, 25. Juli 1998

Tag 3: Über die Silvretta ins Vinschgau (1. Hälfte)

Heilbronner Hütte - Kops Stausee - Galtür - Ischgl - Heidelberger Hütte Streckenbeschreibung

Kilometer: 40 km + 10 km Umweg - Höhenmeter: 880 hm + 600 hm Umweg - Schnitt: 11,2 km/h - Fahrzeit: 4,5 h

Ich habe schlecht geschlafen, denn wir haben ein paar fürchterliche Schnarcher im Lager gehabt. Zusätzlich hat mir meine Nase zu schaffen gemacht, die die ganze Nacht gelaufen ist. Ich habe mittlerweile auch ein bißchen Husten, der ist aber noch nicht so tragisch. Tragischer ist, daß die gewaschenen Sachen noch naß sind.

Wir sind früh auf, das Frühstück ist also kein Problem, es fällt allerdings sehr dürftig aus. Besonders gastfreundlich war diese Hütte (2308 m) sowieso nicht, was daran liegen mag, daß es einfach zu voll war.

Abfahrt von der Heilbronner Hütte
Abfahrt von der Heilbronner Hütte

Die Suppe von gestern abend ist fast weggezogen und die Sonne scheint schon ein bißchen durch die Wolken. Trotzdem regnet es etwas, aber wir wollen gleich los. Kaum haben wir die Regenklamotten angezogen, hört es auf zu regnen, also wieder aus damit. Bevor wir losfahren unterhalte ich mich noch kurz mit zwei Bikerinnen, die auch gerade im Aufbruch sind. Sie haben für heute abend anscheinend das gleiche Ziel wie wir, nämlich die Heidelberger Hütte. Dann treffen wir uns dort wohl wieder.

Die heutige Strecke sollte nicht besonders schwer sein. Wir haben eine extreme Etappe aus der Tourbeschreibung geteilt und fahren heute nur die erste Hälfte. Es sollte also fast ein Ruhetag werden. Das macht aber gar nichts, schließlich sind wir im Urlaub.

Die ersten Meter der Abfahrt habe ich deutlich unterschätzt. Ich gehe den Weg zu schnell an und kann nicht mehr abbremsen. Ich versuche mich wenigstens auf dem Rad zu halten und nicht zu stürzen. Zum Glück ist neben dem Weg eine Wiese. Fast hätte ich die zwei Mädels von vorhin umgefahren und auch ein paar Wanderer gucken mir ungläubig hinterher. Als der Weg etwas flacher wird, kann ich endlich halten und warte erst mal auf Alexander. Er braucht etwas länger, denn was er an Anstiegen gegenüber mir gut macht, hole ich an den Abfahrten zum Teil wieder rein.

Dann geht es weiter runter. Ein nicht enden wollender Downhill, teilweise mit Serpentinen. Ich überhole noch ein paar andere Biker und fahre lächelnd an denen vorbei, die mir im ersten Gang entgegenkommen und noch alles vor sich haben, was wir gerade runtergefahren sind. Der Kopsstausee, an dem wir abzweigen müssen, kann ja nicht zu verfehlen sein, und so lassen wir uns einfach rollen. Irgendwann wechselt der Weg auf Teer. Es geht immer weiter runter und ich fange langsam an, mich zu wundern, soviel sind 500 hm nun auch wieder nicht.

Endlich stoßen wir auch auf eine Autostraße, aha. Die Schilder an der Straße kommen mir allerdings etwas seltsam vor und von einem Stausee ist auch nichts zu sehen. Ein Blick auf die Karte offenbahrt Entsetzliches. Wir müssen die Abzweigung am Stausee übersehen haben und sind 600 hm zu weit ins Tal gefahren. Ich kann es kaum glauben. Es gibt auch keine Alternative, wir müssen umkehren und alles wieder hochfahren. Das wars dann mit unserer Ruheetappe. 600 hm zusätzlich sind nicht zu verachten, da sind wir sicher 1 1/2 h unterwegs. Da ich mich bis jetzt immer um die Strecke und die Karten gekümmert habe, bin ich auch noch ganz allein an daran Schuld. Meine gute Laune ist dahin.

Wir machen uns an den Wiederaufstieg, wobei uns der Frust zusätzlich antreibt. In einem irren Tempo hetzen wir den Berg wieder hoch. Nach der halben Strecke sehen wir, wie sich vor uns eine Staumauer erhebt. Na toll, wenn ich mich bei der Abfahrt nur einmal umgedreht hätte, wäre mir unser Fehler sicher schon viel früher aufgefallen. Die letzten Meter macht sich meine Erkältung wieder deutlich bemerkbar und ich fange an zu schieben. Dann kommen wir an die Kreuzung, an der wir vorhin hätten abfahren müssen. Sie ist wirklich leicht zu übersehen, denn es geht bis zum See noch ein kleines Stück hoch, so daß er von hier nicht zu sehen ist. Wir sind beide erleichtert, als wir endlich am See (1809 m) ankommen.Von hier bis Ischgl (1376 m) geht es nur noch bergab. Teilweise fahren wir einen ausgeschilderten Radweg, den Rest auf der Autostraße.

Heidelberger Hütte (2254 m) [Postkarte]
Heidelberger Hütte (2254 m) [Postkarte]
Anstieg zur Heidelberger Hütte
Anstieg zur Heidelberger Hütte

In Ischgl wollen wir Mittagessen. Wir suchen einen Supermarkt und ich kaufe mir warmen Fleischkäse mit Brötchen, ein wenig Obst und neue Müsliriegel. Meine drei Packungen von zu Hause sind mit tatkräftiger Unterstützung von Alex fast alle. Kaum sind wir raus aus dem Supermarkt, wird er geschlossen. Das war ja noch mal knapp. Das Essen bekommt mir wesentlich besser, als gestern die Spätzle, und wir machen uns gestärkt an den Anstieg zur Heidelberger Hütte (2254 m). Die Teerstraße aus Ischgl raus ist der Hammer, und Alex zieht gleich wieder davon. Der Weg wechselt auf Schotter und wird etwas flacher, aber er scheint endlos zu sein. Immer wieder suche ich Anhaltspunkte und schaue in der Karte, wie weit es noch ist. Ab und zu wartet Alex mal auf mich.

Das Wetter wird langsam schlechter. Durch die Höhe wird es kühl und es fängt zusätzlich auch noch an zu regnen. Ich ziehe meine Regenjacke an und fahre weiter. Ganz einsam in der Gegend steht ein Schild, das auf die Schweizer Grenze hinweist, Alexander wartet nun nicht mehr auf mich. Die Hütte ist immer noch nicht zu sehen und es regnet stärker. Ohne den blöden Umweg von heute morgen, wäre uns das wohl erspart geblieben.

Endlich sehe ich die Hütte. Es ist zwar noch ein Stückchen, doch irgendwann komme ich dann endlich an. Alexander sitzt in der Gaststube bei den beiden Mädels von heute morgen, sie heißen Gitti und Liesl, und den beiden Bikern von gestern abend, Fank und André. Ich habe erwartet, daß die alle vor uns da sind. Ich setze mich dazu und trinke einen Kakao, um mich ein wenig aufzuwärmen.

Frank, Alex und Liesl vor der Heidelberger Hütte
Frank, Alex und Liesl vor der Heidelberger Hütte
Viele, viele Fahrräder
Viele, viele Fahrräder

Auch hier haben wir ein Lager, allerdings mit deutlich weniger Betten. Die anderen vier sind auch bei uns im Zimmer. Da es warme Duschen gibt, nutze ich die Gelegenheit und wasche alles durch. Danach sitzen wir zu sechst in der Gaststube, trinken Bier und erzählen. Ich schreibe auch noch ein paar Postkarten.

Als wir noch einmal kurz vor die Hütte gehen, stehen dort mittlerweile gut und gerne 30 Mountainbikes im Gesamtwert von über 80.000 DM herum. Es sind tatsächlich mehr Radfahrer hier, als Wanderer.

In der Heidelberger Hütte: Gitti, Frank, Alex, André Liesl (von links)
In der Heidelberger Hütte: Gitti, Frank, Alex, André Liesl (von links)
Ich, (damals noch mit etwas längeren Haaren :)
Ich, (damals noch mit etwas längeren Haaren :)

Von Gitti und Liesl erfahren wir, daß sie aus Oberstdorf kommen und nach Meran wollen. Auch sie sind über den Schrofenpaß gekommen, und ich bin wirklich beeindruckt, denn.ich fand den ziemlich heftig. Die Frauen, die ich sonst so kenne, pienzen schon beim kleinsten Anstieg.

Wir beschließen, am nächsten Tag zu sechst loszufahren, da wir sowieso alle zur Sesvennahütte wollen.

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