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Höhenprofil Tag 1
Höhenprofil Tag 1

Sonntag, 23. Juni 2019

Tag 1: Alpiner Auftakt

Saint-André-dʼEmbrun - Crevoux - Tunnel du Parpaillon - Condamine-Châtelard - Barcelonette - Col d'Allos Streckenbeschreibung

Start: 8:50 Uhr - Stop: 18:30 Uhr - Kilometer: 71 km - Höhenmeter: +2525 hm / -1450 hm - Maximale Höhe: 2639 m - Schnitt: 10,1 km/h - Max: 61 km/h - Fahrzeit: 7:00 h

Balkonien nahe Embrun (1080 m)
Balkonien nahe Embrun (1080 m)
Das letzte Abendmahl im Moulin Ollivier
Das letzte Abendmahl im Moulin Ollivier

Es geht los. Nach der kurvigen Anreise mit dem Auto nach Embrun hatten wir bereits eine tolle erste Unterkunft im Le Moulin Ollivier (1080 m). Die Lage ist zwar suboptimal, doch die Webseite bei Booking.com sah einfach zu verlockend aus. Doch so haben wir für den ersten Tag wirklich viele Höhenmeter, wenn Plan A (siehe unten) nicht funktioniert.

Um dieser Tour durch die Provence noch einen alpinen Anstrich zu verpassen, will ich zu Beginn nämlich unbedingt durch den Tunnel du Parpaillon. Ich kann nicht erklären, warum es mich dort hinzieht, aber ich muss da hin. Wir hätten die Tour entspannter in Barcelonette oder Gap beginnen können, doch so würde das alpine Dach der Tour praktisch entfallen. Ziel des ersten Tages ist in jedem Fall die Refuge du Col'Allos im Quellgebiet des Verdon, wo die Tour durch die Provence dann erst richtig beginnt, landschaftlich betrachtet.

Praveyral (1482 m)
Praveyral (1482 m)
Blick auf La Chalp, oberhalb von Crevoux
Blick auf La Chalp, oberhalb von Crevoux

Als erste Nacht wäre eine Übernachtung im etwas höher liegenden kleinen Ort Crevoux (1613 m) besser geeignet. Doch die dortige Übernachtungsmöglichkeit hat mich bei der Tourplanung nicht überzeugen können. Jedenfalls wären es 600 hm weniger für den heutigen Tag. So sind wir bereits gut temperiert, als wir Crevoux hinter uns lassen.

Eine kleine Anspannung liegt noch in der Luft, denn ganz unten im Tal stand, dass der Tunnel gesperrt wäre. Wir wissen nicht, was das genau bedeutet. Auch im Moulin Ollivier konnte man uns dazu nichts sagen. Es hatte in dem Frühjahr zwar sehr viel Schnee, aber beim Blick nach oben kann man absolut kein Schneefelder sehen. Vermutlich kommt man irgendwie durch. Restlos überzeugt bin ich erst, als uns zwei E-Biker überholen und nicht mehr zurückkehren.

Aufstieg zum Parpaillon
Aufstieg zum Parpaillon
Tunnel du Parpaillon in Sicht
Tunnel du Parpaillon in Sicht

Bei uns dauert die ca. 1.600 hm lange Auffahrt auf der angenehmen Piste ein bisschen länger, besonders für Alex, der als Läufer im Alltag mit Radfahren wenig am Hut hat. Normalerweise sind auch Offroad-Fahrzeuge für diesen Pass zugelassen, doch wegen der Tunnelsperrung haben wir den Weg für uns alleine. Und tatsächlich zeigen sich dann auch die ersten Schneefelder, die den Weg noch in voller Breite bedecken. Der Parpaillon-Tunnel (2644 m) versteckt sich bis zum Schluss hinter einer kleinen Kuppe. Auch dort sind noch fette Schneefelder, aber der Eingang ist frei. So ganz erschließt sich die Existenz dieses Durchbruchs nicht, ist doch der Col du Parpaillon kaum mehr als 100 hm weiter oben. Man spart fast nichts.

Tunnel du Parpaillon (2644 m)
Tunnel du Parpaillon (2644 m)
Gletscherquerung
Gletscherquerung
Licht am Ende des Tunnels
Licht am Ende des Tunnels

Die Querung des Tunnels ist eine etwas frostige Geschichte. Es sind nur 5 Grad. An den Wänden haben sich vom durchdrückenden Schmelzwasser teils riesige Eisformationen gebildet. Klar, dass auf dem Boden knöcheltief das Wasser steht. Ich fahre durch die Dunkelheit, Alex schiebt. Kurz vor dem Südportal versperrt auch noch ein langes Eisfeld den Weg. Mit Motorkraft wäre da nix zu holen.

Südabfahrt vom Parpaillon (1)
Südabfahrt vom Parpaillon (1)
Südabfahrt vom Parpaillon (2)
Südabfahrt vom Parpaillon (2)
Südabfahrt vom Parpaillon (3)
Südabfahrt vom Parpaillon (3)

Auf der Südseite führt erst eine Piste und zum Schluss Asphalt recht unkompliziert sämtliche Höhenmeter wieder hinunter bis nach La Condamine-Châtelard (1273 m) im unteren Ubaye-Tal. Ein besonderes Schmankerl für Technikliebhaber ist der Parpaillon also nicht. Trotzdem ein interessanter Übergang. Wir nutzen ein kleines Restaurant, um zu vorgerückter Stunde verlorene Kalorien mit Pizza nachzufüllen.

Barcelonette (1138 m)
Barcelonette (1138 m)

Nun sind es über die Straße noch ein paar km bis nach Barcelonette (1138 m), ein kleines französisches Städtchen mit tollem Namen und hübschen Zentrum. Sehr einladend für eine Pause, aber wir haben ja schon. Wir suchen stattdessen die Bushaltestelle, denn da ist ja noch Plan A. Nach den 1.600 hm Aufstieg am Vormittag soll die Auffahrt zum Col d'Allos ein bisschen lockerer ablaufen. Deshalb soll uns ein Bus als Kickstarter bis zur Ski-Station Pra-Loup (1587 m) bringen, so dass die Auffahrt nur noch halb so lange wäre. In einer der heißesten Wochen des Sommers, wäre das echt sehr zu begrüßen. Allerdings wird aus dem Plan ganz schnell Variante B. Es gibt zwar einen Bus, nur der fuhr bereits zur Mittagszeit. Wir sind gut 2h zu spät dran. Allerdings zu früh, um den Tag vorzeitig zu beenden. Dies würde auch den Tourplan bereits zu Beginn durcheinander bringen.

Auffahrt zum Col d'Allos (2240 m)
Auffahrt zum Col d'Allos (2240 m)

Mit dem Wissen, dass es morgen etwas lockerer wird, zuckeln wir also mit eigener Kraft die wunderschöne Passstraße zum Col d'Allos (2249 m) hinauf. Vermutlich herrscht normalerweise auch kein Verkehr. Oben am Berg scheint heute allerdings eine größere MTB-Veranstaltung gewesen zu sein, weshalb uns wirklich pausenlos Autos entgegen kommen.

Chillout im Refuge du Col d'Allos
Chillout im Refuge du Col d'Allos

Am Rifuge du Col d'Allos ist kaum noch was los. Während ich auf die Ankunft von Alexander warte, gibt es in den letzten Sonnenstrahlen das erste Panaché. Es war wirklich ein harter erster Tag. Ich glaube, ich bin überhaupt erst einmal mehr als 2.500 m hm an einem Tag getreten. Das muss man so nicht machen. Aber zeitlich hat es gut hingehauen. Ohne den Parpaillon gibt es einfachere Optionen, wie am Anfang geschrieben, aber dann würde der Tour das gewisse Etwas fehlen. Und wenn es mit dem Bus klappt, dann ist alles halb so wild.

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