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Donnerstag, 30. August 2001

Tag 6: Nichts für ungeduldige, Passo Croce Domini

Cedegolo - Breno - Bienno - Passo Croce Domini - Val Dorizzo Streckenbeschreibung

Start: 08.45 Uhr - Stop: 17.00 Uhr - Kilometer: 53 km - Höhenmeter: +1800 hm / -1050 hm - Schnitt: 10,7 km/h - Fahrzeit: 5,0; h

Unsere bescheidene Behausung in Cedegolo
Unsere bescheidene Behausung in Cedegolo

Die Unterkunft war nichts. Zimmer und Dusche sind dürftig und die Verpflegung notdürftig zusammengestellt (besser bis Breno zum Eco World Hotel Giardino). Anscheinend rechnet man hier gar nicht mit Gästen. Vor der Weiterfahrt noch ein kritischer Blick nach draußen, es hat nämlich die ganze Nacht geregnet. Nach fünf Tagen Sonne hat uns der Wettergott verlassen. Im Moment ist es zwar trocken, aber der Himmel macht keinen freundlichen Eindruck.

Frühstückspause und Auffüllen der Vorräte in Breno (343 m)
Frühstückspause und Auffüllen der Vorräte in Breno (343 m)

Ab Cedegolo zweigt die original Heckmaierroute normalerweise ab und führt mit stundenlangen Schiebepassage am Lago d'Arno vorbei über den Passo die Campo mitten durch das Adamellomassiv. Trotz der landschaftlichen Reize ist mir das die Mühen nicht wert, weshalb wir den Adamello im Süden umfahren wollen. Um möglichst schnell vorwärts zu kommen und dieses langweilige und triste Tal zu verlassen, machen wir keine Experimente und fahren die Autostraße nach Breno (308 m). Dort gibt es erst mal ein zweites Frühstück am Supermarkt. Wir werden diese Reserven noch brauchen, denn über den Passo Croce Domini (2050 m) haben wir die Königsetappe auf dem Programm. Über 1700 hm am Stück bin ich noch nie gefahren und würde es auch nicht mehr machen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dass ausgerechnet heute das Wetter nicht mitspielt ist natürlich scheiße. Kann man nix machen.

Extrem steile Auffahrt durch das Val Grigna Richtung Passo Croce Domini (1900 m)
Extrem steile Auffahrt durch das Val Grigna Richtung Passo Croce Domini (1900 m)
Wilde Landschaft; links vom Geröll geht unser Weg hinauf
Wilde Landschaft; links vom Geröll geht unser Weg hinauf
Immer noch beim Anstieg
Immer noch beim Anstieg

Da ich nicht die Autostraße zum Pass fahren will, zweigen wir ab Bienno (462 m) in das auf der Kompasskarte als Radweg ausgewiesene Seitental Val della Grigna ab. Dieser Weg führt nicht exakt zum Pass, so dass wir oben noch eine kleine Querpassage über die nicht asphaltierte 345 fahren müssen. Doch vorher gibt es noch einiges zu tun. Gnadenlos bohrt sich der Weg in den Himmel und zeigt uns unsere Grenzen auf. Er ist zunächst zwar geteert, aber fahrend kommt man nur mit Gewalt hinauf. Die Steigungen zwischen 20 und 30% sind echt krass.

Nun auch noch Regen ...
Nun auch noch Regen ...
Scheiß Wetter
Scheiß Wetter

Ab etwa 1500m wird der Weg etwas flacher, aber auch deutlich schlechter. Zu allem Überfluss kann der Himmel nicht mehr einhalten und es gießt aus Kübeln. Für mich ist es der erste Regen in den Alpen seit zwei Jahren, also nicht aufregen. Ab in die Regenkleidung und unter einen Baum. Eine alte Frau, die uns so sieht, will uns zu einem Tee mit in ihr Häuschen nehmen, wir lehnen aber ab. Der Regen lässt schnell nach und wir wagen die Weiterfahrt. Der Weg nach oben ist noch eine ziemliche Schinderei. Teilweise geht es über losen Eisenbahnschotter, was ich zwar fahren kann, aber effektiv ist es nicht.

Diesesmal bin ich als erster oben. Was für eine Schinderei. Wir sind mindestens 4h unterwegs gewesen. Ob sich das Meiden der Passstraße rentiert hat, lässt sich deshalb nicht genau sagen. Das Tal war stellenweise ganz schön urig und die tiefhängenden Wolken haben eine interessante Atmosphäre geschaffen. Dass die Route in der Karte als Mountainbikeweg markiert ist, ist aber doch verwunderlich.

Blick zum Passo Croce Domini (1900 m)
Blick zum Passo Croce Domini (1900 m)
Nachmittagspause am Passo Croce Domini (1900 m)
Nachmittagspause am Passo Croce Domini (1900 m)

Die Gegend am Kamm oben wirkt ziemlich verlassen. Immerhin haust die Zivilisation 1700 Meter unter uns. Auf einer breiten Schotterstraße rollen wir die letzten Meter zum Passo Croce Domini (ca. 2000 hm) hinüber. Weil wir zu spät sind, gibt es dort keine warme Mittagsküche mehr und wir begnügen wir uns mit einer kalten Platte. Hätten wir das besser mal nicht getan, denn während wir speisen und die nassen Sachen etwas trocknen, setzt draußen richtiger Dauerregen ein. Übernachtungsmöglichkeit gibt es hier aber keine und so stürzen wir uns ins nasskalte Wetter und rollen Richtung Idro Tal. Ursprünglich war geplant, noch über den Passo della Cornelle abseits der Teerstraße zum Lago d'Idro und weiter nach Storo zu fahren, bei dem Wetter kann uns dieser Pass aber gestohlen bleiben und wir folgen der Straße. Die führt nach Bagolino, wo wir vielleicht eine Übernachtung finden können. Da wir auf auf dem Weg nach unten bereits an einigen Albergos vorbeikommen, quartieren wir uns kurzerhand in der Stella Alpina in Val Dorizzo (1183 m) ein. Es ist zwar noch früh, aber es regnet nach wie vor in Strömen und das Wetter kann morgen nur besser werden.

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