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Höhenprofil

Dienstag, 5. Juli 2005

Tag 4: Auf dem Weg in den Süden

Seiser Alm - Passo Duron - Campitello - Moena - Predazzo - Passo Sadole - Rifugio Refavaie Streckenbeschreibung

Start: 10:15 Uhr - Stop: 19:30 Uhr - Kilometer: 62 km - Höhenmeter: +1700 hm / -2325 hm - Maximale Höhe: 2168 m (Passo Duron)  Schnitt: 11,5 km/h - Max: 41 km/h - Fahrzeit: 5:40 h

Eisiger Regen am Passo Duron (2168)
Eisiger Regen am Passo Duron (2168)

Der angemeldete Wetterumschwung ist nun endlich da. Es schifft. Schon die halbe Nacht. Besserung ist nicht in Sicht. Heute war der Friedrich-August-Weg geplant. Bis jetzt. Bei diesem Wetter ist das aber totaler Quatsch. Also werden wir mächtig Abkürzen. Vor dem Start montiere ich hinten noch neue Bremsbeläge an der Scheibenbremse. Leider das einzige Paar, dass ich dabei habe. Vorne würde ein Wechsel auch bald gut tun. Wir fahren im Regen hinauf zum Passo Duron (2204 m), vorbei am ursprünglichen Ziel für gestern, dem Haus Dialer. Es ist eisig kalt. Berge gibt es kaum noch vor lauter Wolken. Vom Pass geht es dann direkt hinunter durchs Val Duron. Da ich bei dem Regen keine Fotos gemacht habe, muss ich auf das Jahr 2000 verweisen, wo wir in hier in der anderen Richtung hinauf sind – bei Sonne, versteht sich. Wegen der geqüälten Vorderbremse mache ich recht langsam und versuche das meiste hinten wegzubremsen. Eine der seltenen Situationen tritt nun auch ein: ich wünsche mir lange Handschuhe.

Halb erforen rollen wir in Campitello (1448 m) ein. Erst mal aufwärmen. Nach dem kurzen Besuch eines Cafés, landen wir in einem Pizza-Schnellimbiss, der uns für ein paar Stunden erhalten bleibt. Da der Regen partout nicht aufhören will, muss eine Lösung her, wenn die heutige Etappe keine Bruchlandung werden soll. Weil wir gerne das Ziel noch erreichen wollen, packen wir es und setzen mutig unsere Fahrt fort. Um uns herum sehen wir die wolkenverhangenen Bergspitzen in frisches Weiß gehüllt. Vermutlich liegt jetzt auch der Passo Duron von heute Morgen unter einer dünnen Schneedecke.

Rifugio Cauriol (1600 m)
Rifugio Cauriol (1600 m)
Auffahrt zum Passo Sadole (2066 m)
Auffahrt zum Passo Sadole (2066 m)

Die weitere Strecke ist zunächst simpel – passend zum Wetter. Es geht auf dem teilweise sehr neuen Radweg das komplette Val di Fassa hinunter. Obwohl wir uns dabei nur langsam Richtung Süden bewegen zeigen sich in der Ferne erste Löcher in den Regenwolken und in Predazzo (1018 m) lacht wieder die Sonne vom Himmel. So sollte es kein Problem sein, den nun folgenden Passo Sadole zu bewältigen. Nach kurzer Rast am Dorfbrunnen legen wir denn auch los.

Ankunft am Passo Sadole (2066 m)
Ankunft am Passo Sadole (2066 m)
Trailabfahrt vom Passo Sadole
Trailabfahrt vom Passo Sadole

Über Ziano kurbeln wir gemütlich im Sonnenschein die Piste zur Rifugio Cauriol (1600 m) hinauf. Nach dem Regen ist die Luft kristallklar, herrlich. Noch bis 1800 m lässt sich der Weg fahren. Die letzten Meter bis zum Passo Sadole (2066 m) führen über einen alten Karrenweg und sind zumindest gut zu Schieben. Eine gottverlassene Gegend. Wir sind absolut alleine. Kein Mensch, kein Murmeltier, nur dass eigene Keuchen. Dabei ist der Pass nicht gerade hochalpin. Große Steinbrocken säumen ganz oben den Weg, der sich im Nichts zu verlieren scheint. Wir stolpern einfach querbeet weiter. Der Regenaufenthalt hat viel Zeit gekostet und großes Suchen ist in anbetracht der vorgerückten Stunde nicht angebracht. Hinter der Kuppe zeigt sich dann auch der Pfad, der uns wieder hinunterführt. Ein – meiner Meinung nach – genialer Trail, den ich in dieser Form bei meiner ersten Alpenüberquerung wahrscheinlich geschoben hätte. Fast 400 hm tiefer setzt eine Forstpiste ein, der man an der Malga Laghetti wieder ausweichen kann bzw. könnte. Wir haben den Abzweig nämlich verpasst und sind dann einfach auf der Straße weiter runter. Bei jedem Bremsmanöver komme ich ins Schwitzen, ob mein Restbelag der Belastung noch standhält. Es ist mittlerweile ein gequältes Quietschen zu hören.

Die Rifugio Refavaie (1116 m) empfängt uns reichlich verändert. Vom einstigen Hüttencharakter ist nicht viel übrig. Das Haupthaus ist komplett umgebaut. Nur unser Zimmer im Nebenbau versprüht noch den etwas vergammelten Charme. Mir hat sie bei der letzten Übernachtung irgendwie besser gefallen. Das Essen ist aber geblieben: ein leckeres Menü mit frischer Forelle direkt aus dem Teich vor dem Haus.

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