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Höhenprofil

Mittwoch, 6. Juli 2005

Tag 5: Durchs Valsugana zum Ortigara

Rifugio Refavaie - Passo Cinque Croci - Valsugana - Rifugio Alpino Marcesina Streckenbeschreibung

Start: 8:45 Uhr - Stop: 17:30 Uhr - Kilometer: 65 km - Höhenmeter: +2100 hm / -1875 hm - Maximale Höhe: 2018 m (Passo Cinque Croci)  Schnitt: 10,5 km/h - Max: 49 km/h - Fahrzeit: 6:20 h

(Umgebaute) Rifugio Refavaie
(Umgebaute) Rifugio Refavaie
Anfahrt zum Passo Cinque Croci (2018 m)
Anfahrt zum Passo Cinque Croci (2018 m)

Ebenfalls geblieben ist der krass günstige Preis. Wie vor drei Jahren zahlen wir gerade mal 30 € für die Halbpension. Schade, dass es keine Bremsbeläge dazu gibt ... Was das angeht, habe ich ein mulmiges Gefühl. Ich wüsste nicht, wo wir auf den letzten Etappen noch einen Bikeshop treffen sollen. Bis zum Passo Cinque Croci (2018 m) spielt das aber erst mal keine Rolle. Erst sehr langsam, dann immer stetiger geht es hinauf. Die Bremsen üben sich in Langeweile. Bilderbuchwetter versüßt uns die lange und unspektakuläre Auffahrt. Es ist trotz Sonnenschein aber sehr frisch. Erst kurz vor dem Pass geben die Bäume endlich den Blick auf die umliegenden Berge frei.

Standardfoto: Passo Cinque Croci (2018 m)
Standardfoto: Passo Cinque Croci (2018 m)
Blick ins Valsugana
Blick ins Valsugana

Nun wird es heikel. 1700 m bergab, das bedeutet für mich rutschen auf dem Zahnfleisch. Den Trail 326 guck ich mir gar nicht erst an, also ab auf die Piste und viel Glück für die Bremse. Das kann sie gut gebrauchen. Der Weg ist so steil, dass an Rollenlassen überhaupt nicht zu denken ist. Fast permanent steht man auf der Bremse. Während ich vorne nur in Notfällen ziehe, macht sich das Heck mit extrem Lauten Quietschen bemerkbar und die Bremsleistung verabschiedet sich langsam. Stop. Mit dem Wasser aus der Trinkflasche verschaffe ich der Scheibe eine kurze zischende Abkühlung. Weiter. Quietschen. Stop. Wasser. Weiter ... Nach diesem Prinzip erreiche ich tatsächlich das Ende der Schotterpiste. Alexander hat bei diesem Tempo nicht viel Spaß an mir. Auf Teer gibt es nun auch mal längere Rollpassagen, verbunden mit noch heftigeren Bremsmanövern. Ich schwitze Rotz und Wasser. Trotz oder wegen der Strapazen bieten sich immer wieder Pausen, bei denen wir einen Blick ins Valsugana und auf das endlose Ortigara-Massiv werfen können, das morgen auf dem Programm steht.

Meine Bremse übersteht die Abfahrt ohne Kapitalschaden und so erreichen wir erleichtert Strigno (506 m). Vor dem anstehenden Mittagessen in Ospedaletto (360 m) machen wir noch eine kurze Shopping-Pause. Die Suche nach einem Restaurant gestaltet sich aber schwierig. Ein Einheimischer schickt uns an den Valsugana-Highway, wo wir tatsächlich eine Art Truckstop finden. Wie Außerirdische müssen wir den LKW-Fahrern erscheinen. Und so fühlen wir uns in dem großen Speisesaal auch. Am meisten Sorgen machen uns unsere Räder, die draußen in der Gegend herumstehen. Ich Depp habe zwar ein Schloss am Lenker hängen, aber den Schlüssel vorsorglich zu Hause gelassen. 500 nutzlose Gramm auf dem Weg zum Gardasee.

Die Räder überstehen das Essen ohne sich zu vermehren, und wir sind froh, dass wir diesen unpassenden Ort verlassen können. Das ganze Valsugana ist ein sehr italienisches Tal, das überhaupt keinen Alpenflair zu bieten hat. Normalerweise wird man auch noch ordentlich durchgekocht. Nicht so dieses Jahr. Es ist zwar mal ein bisschen wärmer. Aber 25 Grad können in diesem Tal als winterlich bezeichnet werden. Auf dem Radweg erreichen wir Selva (267 m), wo die zweite und letzte Auffahrt des Tages beginnt. Der Dorfbrunnen dient als letzte Verpflegung für den gesamten Nachmittag. Das Wasser schmeckt zum Glück angenehmer als vor drei Jahren.

(Gesperrte) Auffahrt auf die Ortigarahochebene
(Gesperrte) Auffahrt auf die Ortigarahochebene
Rückblick auf Selva (267 m) im Valsugana
Rückblick auf Selva (267 m) im Valsugana

Nun also Kette links und aufsitzen, über 1000 hm liegen vor uns.. Die Auffahrt erweist sich als tückisch, da die Schotterstraße gerade ausgebaut wird. Ein Schild verbietet zwar die Durchfahrt, aber für Alternativen ist es nun zu spät. Das hätte ich bei der Planung bereits wissen müssen. Ein paar Arbeiter motzen uns an, lassen uns aber gewähren. Wir werden nicht die Einzigen gewesen sein ... Schlimmer ist der ständige LKW-Verkehr, der uns immer wieder in die Büsche springen lässt. Zwei große Geröllfelder deuten aber das Ende der Baustelle an. Ein Einheimischer erzählt uns, dass der Weg geteert wird und für den Autoverkehr hingerichtet wird. Wirklich schade um diese geniale Bikerpiste.

Hochebene bei der Malga Marcesina
Hochebene bei der Malga Marcesina
Abendstimmung an der Rifugio Alpino Marcesina
Abendstimmung an der Rifugio Alpino Marcesina
Rifugio Alpino Marcesina (1319 m)
Rifugio Alpino Marcesina (1319 m)

Von der Auffahrt gibt es nicht viel zu berichten. Sie zieht sich, bietet aber ständig tolle Blicke zurück ins Valsugana. Ich fahre sehr gerne hier hoch. 1000 hm beständiges bergauf bringen einen guten Rhythums und lassen viel Zeit zum Nachdenken. Vorrausgesetzt, man hat genug Wasser dabei. Weiter oben schwenkt der Weg weg von der Bergflanke in den Wald hinein, das langweiligste Stück beginnt. Auch mein Magen hätte gerne wieder was zu tun. Die Kräfte schwinden merklich und Alexander fährt mittlerweile weit vor mir. Als sich der Wald endlich lichtet, ist es nicht mehr weit. Vorbei an der ehemaligen Rifugio Barricata (1351 m) und der Marcesina rollen wir über die Hochebene die letzten Kilometer bis zur mittags reservierten Übernachtung in der Rifugio Alpino Marcesina, die ich bereits kenne. Wie vor drei Jahren sind wir die einzigen Gäste, aber trotz demselben Start am Morgen gut 3 Stunden früher da. Betrieb scheint eher im Winter zu sein, irgendwovon muss der Betreiber ja leben.

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