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Höhenprofil

Sonntag, 13. Juli 2014

Tag 3: Warmlaufen der Weltmeister

Bad Ragaz - Vättis - Kunkelspass - Reichenau - Thusis - Glaspass Streckenbeschreibung

Start: 08:45 Uhr - Stop: 16:45 Uhr - Kilometer: 60 km - Höhenmeter: +2075 hm / -975 hm - Maximale Höhe: 1846 m - Schnitt: 10,5 km/h

Auffahrt durch das Taminatal
Auffahrt durch das Taminatal

Heute ist der Tag des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft, also keine Schwäche zeigen. Wir folgen weiter der Straße ins Taminatal. Es ist trocken bei aufgelockerter Bewölkung, aber eine dauerhafte Wetterbesserung ist nicht gemeldet. Bei Pfäfers (820 m) wird gerade eine Riesenbrücke über die Taminaschlucht gebaut. Ich frage mich nur, wozu? Der Seitenwechselverkehr dürfte kaum nennenswert sein. Aber wozu gibt es das Internet? Dort finden sich alle Informationen. Mit dem Bau der Brücke wird im wesentlichen die westliche Talstraße abgelöst, die durch ein Hangrutschgebiet führt. Diese wird dann ab Bad Ragaz dann nur noch von Forstwirtschaft und Radfahrern genutzt. Das sind ja keine schlechten Aussichten! Die Schlucht können wir von unserer Talseite auch immer mal wieder einsehen. Beeindruckend, wie tief sich der Bach in den Fels gegraben hat.

Kunkelspass
Kunkelspass

Wir passieren den Mapragg-Stausee (865 m) und erreichen wenig später Vättis (943 m). Als Übernachtungsplatz wäre der Ort sicher nicht schlecht gewesen, aber wir hatten die bessere Aussicht. Hinter dem Ort wird die Straße zur Naturstraße, und es geht gemütlich weiter dem Kunkelspass (1357 m) entgegen. Der Pass ist unspektakulär. Eine kleine Gaststätte auf einer Graskuppe. Die Aussicht gibt heute auch nicht viel her, zu tief hängen die Wolken. Wir sind uns absolut sicher, in Kürze das erste Mal richtig nass zu werden. In Regenmontur geht es auf die Abfahrt. Doch wir haben Glück. Kaum sind wir etwas tiefer, können wir unter der Wolkendecke hindurch den Rhein erblicken. Im Tal ist das Wetter derzeit häufig besser, als oben am Berg. Teilweise sogar sonnig.

Rheinzusammenfluss bei Reichenau
Rheinzusammenfluss bei Reichenau
Rheintrail
Rheintrail

Die Abfahrt führt auf einer Piste durch ein steiles Bergsturzgebiet hinunter nach Tamins (662 m), etwas oberhalb des Rheins. Überall sind kleine bewaldete Hügel, die die Reste des Erdmassen darstellen. Reichenau (592 m) ist nur ein paar Meter tiefer. Dort fließen Vorrhein und Hinterrhein zusammen, um als Alpenrhein weiter zum Bodensee zu ziehen. Für mich als Anwohner des Mittelrheins ist dies schon ein besondere Stelle. Wir verlassen jetzt für zwei Tage den Vorderrhein und folgen dem Hinterrhein auf der ausgeschilderten Bikeroute 261 nach Süden. Zunächst führt der Weg durch trailiges Gelände dicht am Fluß entlang und überrascht mit kurzen Schiebestücken. Aber halb so wild, die Straße wäre keine Alternative. Ab Rothenbrunnen geht es dann schnurgerade am Fluß entlang bis nach Thusis (720 m). Dort ersetzen wir an einem Campingplatz unsere verloren gegangene Kalorien. Ich kläre bereits telefonisch unsere Übernachtung am Glaspass und vergewissere mich auch, dass es einen Fernseher gibt.

Rheinpause
Rheinpause
Haus Beverin am Glasspass
Haus Beverin am Glasspass

Während der Pause wird es reichlich finster. Vor allem in unserer Richtung nach Westen. Dort geht es hinauf zum Glaspass (1846 m) - unser Nachmittagsprogramm. Den Rhein verlassen wir dabei endgültig. Wir befinden uns jetzt auf der Alpine Bike 1, einer der längsten offiziellen Mountainbikerouten durch die Schweiz. Das macht die Wegsuche sehr einfach. Denn Schilder aufstellen können sie super, die Schweizer. Auf Asphalt und Almwegen führt die Route langsam nach oben. Es gibt auch einen Bus, aber keiner gibt sich trotz schwarzem Himmel diese Blöße. So kommt, was kommen muss, und ein gewaltiger Regenschauer prasselt hernieder. 15 Minuten Zwangspause in einer Garage, ungefähr aud halber Höhe. Als der Spuk vorüber ist, kann es weitergehen. Aber es war nicht das letzte Wasser für heute, besonders für mich. Oberhalb der letzten Ortschaft Tschappina verlassen mich nämlich die Kräfte. Ein ordentlicher Hungerast zwingt mich zur Langsamkeit. Auch mit weiterer Nahrung ist das Problem nicht mehr zu beheben. Im Kriechgang quäle ich mich die letzten 300 hm hinauf. Ein weiterer Regenguss erwischt mich nun voll und hört auch nicht mehr auf, bis ich die trockene Stube des Gasthauses Beverin an der Passhöhe betrete. Auch die anderen beiden sind zum Schluss noch kurz nass geworden.

Ich kann nur hoffen, dass die deutsche Nationalmannschaft heute besser drauf ist als meinereiner. Solche Einbrüche kenne ich, habe sie aber zum Glück äußerst selten. Nun ist ja Zeit zum Regenerieren. Das Gasthaus ist toll. Urig, ursprünglich, aber doch komfortabel. Normalerweise wird es vor allem von Motorradfahrern frequentiert. Heute offenbar nicht. Draußen baumelt eine große deutsche Fahne.

Der Abend wird dann richtig gut. Mit ca. 10 Leuten erleben wir eingerahmt von „Hopp Schwyz”-Fähnchen auf einem Flachbildfernseher in fast 2000 Meter Höhe in einer Berghütte den Weltmeistertitel der deutschen Fußballer. Wir müssen uns zwar müde bis in die Verlängerung quälen, aber es hat sich gelohnt. Der Wirt (ebenfalls Deutscher) nutzt den besonderen Anlass, um sich mit der Hilfe seiner Gäste von zahlreichen Getränken zu trennen.

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