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Höhenprofil

Montag, 13. Juli 2015

Tag 1: Der Berg

Oulx - Fenils - Chaberton - Clavière - Thurès Streckenbeschreibung

Start: 10:00 Uhr - Stop: 18:45 Uhr - Kilometer: 45 km - Höhenmeter: +2375 hm / -1800 hm - Maximale Höhe: 3131 m - Schnitt: 6,9 km/h - Fahrzeit: 6:30 h

Uriges Hotel Chez Toi in Oulx
Uriges Hotel Chez Toi in Oulx
Chaberton voraus
Chaberton voraus

Der erste Tag der Tour 2015 beginnt bei mir mit starken Kopfschmerzen. Ursache unbekannt. Hinter uns liegt eine lange Anfahrt von fast 1000 km mit dem Auto und ein gemütlicher aber harmloser Abend in einer Pizza-Bar in Oulx (1075 m). Die Nacht im Hotel Chez Toi war ebenfalls gut. Eine Schmerztablette wird's schon richten (und das tat sie auch ganz zuverlässig). Die erste Aktion des Tages besteht in dem Besuch des örtlichen Sportgeschäfts, wo Mario in der Bikegarage noch einige Luftblasen aus der Leitung seiner Hinterradbremse quetscht. Dafür hat die Zeit zu Hause nicht mehr gereicht. So geht es etwas verspätet auf die erste Etappe. Ich habe den kurzen Aufenthalt zum Shopping genutzt und eine kleine Überraschung für später in den Rucksack gepackt.

Wasser Tanken in Fenils
Wasser Tanken in Fenils
Wir kommen näher ...
Wir kommen näher ...

Das Programm für heute ist im Rahmen eines Alpencrosses ziemlich fragwürdig. Doch der Berg, der uns erwartet, hat einen Namen: Chaberton. Dieser über 3000 Meter hohe Hügel ist mir bereits vor 5 Jahren aufgefallen und er scheint auf Mountainbiker eine besondere Anziehung auszuüben. Schon von Weitem ist der Gipfel zu sehen, wenn man sich aus dem Susa-Tal nähert. Die acht zerstörten Geschütztürme aus dem Ersten Weltkrieg sehen aus wie eine Krone. Um diese zu erreichen müssen wir 2000 Meter am Stück nach oben, 1000 davon neben dem Rad und die oberen 500 Meter zu allem Überfluss auch noch als Stichtour. Ich habe die anderen während der Planung gewarnt, hatte mich aber offenbar nicht ganz klar ausgedrückt :)

Über 1.000 hm Schieben
Über 1.000 hm Schieben
Kurz vor dem Colle del Chaberton
Kurz vor dem Colle del Chaberton
Roccia tagliata, der gespaltene Fels
Roccia tagliata, der gespaltene Fels

Die Auffahrt beginnt auf einer steilen Schotterpiste, wo wir bereits einen großen Teil unserer Kräfte liegen lassen. Immerhin knapp 1000 hm kommen wir so schon mal nach oben. Die Sonne brät uns derweil auf unseren Rädern das Hirn weg. Die letzte Wasserstelle zum Abkühlen gab es ganz unten am Anfang des Aufstiegs in Fenils (1276 m). Oberhalb der Baumgrenze bewegen wir uns nur noch Schiebend vorwärts. Bis zum Colle del Chaberton wir der Weg immer bröseliger und schlechter. Selbst ein paar Mopedfahrern bleibt nur noch die Umkehr.

Gipfel-Moretti auf dem Chaberton
Gipfel-Moretti auf dem Chaberton
Blick hinunter ins Valle Thuras
Blick hinunter ins Valle Thuras
Blick hinunter zum Colle del Chaberton
Blick hinunter zum Colle del Chaberton

Am Colle del Chaberton (2671 m) könnte man auch einfach weiter der Route folgen. Die nun noch vor uns liegenden 500 m bis zum Gipfel sind nämlich eine Stichtour. Trotz fortschreitender Erschöpfung lass ich mir das Ziel aber nicht mehr nehmen. Felix klinkt sich allerdings aus, was Mario und mir die Möglichkeit gibt, zumindest die Rucksäcke abzulegen und etwas erleichtert weiter zu gehen. Leider ist meine Überraschung damit gelüftet, denn ich muss die am Morgen besorgten Gipfelmoretti aus dem Rucksack nehmen. Meines landet fix im Flaschenhalter. Die Trinkflasche ist ohnehin schon lange leer. Der weitere Weg ist wieder etwas einfacher und ließe sich sogar abschnittsweise fahren. Soviel Wumms haben wir aber nicht mehr. Die große Höhe merke ich heute allerdings kaum, was mich etwas wundert. Auf 3000 Meter komme ich sonst ganz schön ans Hecheln.

Zerstörte Geschütztürme (1)
Zerstörte Geschütztürme (1)
Zerstörte Geschütztürme (2)
Zerstörte Geschütztürme (2)

Ziemlich geplättet erreichen wir nach über einer Stunde endlich das Gipfelplateau (3131 m). Dort befindet sich bereits eine französische Jugendwandergruppe und es ist einiges Gewusel. Nach der Anstrengung fällt es schwer, die phantastische Aussicht und das warme Bier zu genießen. Viel lieber hätte ich eine Flasche Wasser geleert. Nach einer kurzen Verschnaufpause schauen wir uns alles etwas genauer an. Besonders schön ist der Gipfel eigentlich nicht. Nur der Rundumblick ist großartig. Im Osten liegt der Assietta-Kamm. Im Süden schweift der Blick über das Valle Thùres und weiter bis zum Monte Viso in der Ferne. Interessant sind auch die Kriegshinterlassenschaften. In den alten verfallenen Militärgebäuden liegt noch meterhoch der hereingewehte Schnee. Es ist kalt wie im Gefrierfach. Welch Kontrast zu den gut 25 Grad, die selbst in dieser Höhe noch vorherrschen. Bei den ersten Geschütztürmen gibt es leider keinen Weg nach oben, da die innen liegenden Treppen zerstört sind. Alle acht schaue ich mir nicht an.

Trailabfahrt vom Colle del Chaberton
Trailabfahrt vom Colle del Chaberton
Im Vallon des Baisses
Im Vallon des Baisses

Die Abfahrt vom Gipfel zurück zum Colle del Chaberton (2671 m) macht keine größeren Schwierigkeiten. Allenfalls die Wandergruppe, an der wir nun vorbei müssen, fordert etwas Konzentration. Wir sammeln Felix ein und setzen die Etappe fort. Es geht nun im Westen hinunter nach Frankreich ins Vallon des Baisses. Zunächst führt der Weg unfahrbar über eine steile felsige Bergflanke. Nach der Schiebeeinlage trailen wir noch ein Stück bis zum Talboden und gelangen von dort über einen schmalen Wiesenweg in den kleinen schmucken Ski-Ort Clavière (1760 m), der an der Passstraße zum Montgenèvré liegt, eine Verbindung zwischen Italien nach Frankreich. Der kurze Abstecher nach Frankreich ist damit schon wieder vorbei.

Zielanfahrt nach Thùres, hinten der Chaberton
Zielanfahrt nach Thùres, hinten der Chaberton
Blick aus dem Zimmer in der Posto Tappa zum Chaberton
Blick aus dem Zimmer in der Posto Tappa zum Chaberton

Bis zum Tagesziel in Thurès geht es nun in großem Bogen ein paar weitere Höhenmeter hinauf bis ins Skigebiet von Sagna Longa (1995 m) und in stetigem Auf und Ab weiter in Richtung Lago Nero, den wir rechts liegen lassen. Durch das verfallene Bergdorf Chabaud bremsen wir auf steiler Piste durch den Wald hinunter nach Ruilles (1633 m), das den Eingang des Valle del Thùres markiert, unser Weg für morgen. Beim Ausrollen nach Thùres haben wir den Chaberton noch einmal in voller Montur vor uns liegen. Ein bisschen Stolz ist schon dabei, dass wir diesen Berg bezwungen haben, auch wenn es etwas albern war und viel Kraft gekostet hat. Selbst der Blick aus dem Zimmer im Posto Tappa zeigt ihn uns noch einmal. Wir sind übrigens die einzigen Gäste. Das Wirtsehepaar kann sich so beim Abendessen voll auf uns konzentrieren :)

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