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Höhenprofil

Mittwoch, 15. Juli 2015

Tag 3: Der Cottische Kaiser

La Monta - Passo Vallanta - Passo Losetta - Ponte Chianale - Sampeyre Streckenbeschreibung

Start: 08:45 Uhr - Stop: 16:45 Uhr - Kilometer: 46 km - Höhenmeter: +1325 hm / -2000 hm - Maximale Höhe: 2872 m

Gite d'Etape la Monta am Morgen
Gite d'Etape la Monta am Morgen
Val del Guil mit Monte Viso
Val del Guil mit Monte Viso
Val del Guil
Val del Guil

Mit dieser Übernachtung habe ich offenbar nicht den Geschmack von jedem getroffen. Das mag aber daran liegen, dass nur ich die warmen Wolldecken entdeckt hatte und ausgeschlafen bin. Der Rest zitterte sich durch die Nacht. Die Morgensonne vertreibt die Restkühle aber schnell. Bei gewohnt traumhaftem Wetter geht es weiter nach Süden das Val del Guil hinauf direkt auf den Monte Viso zu. Heute steht nach Daten die Königsetappe auf dem Programm. Nicht bei den Höhenmetern, sondern bei der Zeit, die wir neben und unter dem Radl verbringen werden. Außerdem ist die Traverse des Monte Viso über den Passo di Vallanta auch landschaftlich so etwas wie der Höhepunkt der ganzen Tour. Aus anderen Berichten vorgewarnt, erwartete ich wirklich übelstes Geschleppe und habe einige Bedenken.

Erstes Tragestück zur Rèfuge du Viso
Erstes Tragestück zur Rèfuge du Viso
Rèfuge du Viso
Rèfuge du Viso
Frühe Mittagspause an der Rèfuge du Viso
Frühe Mittagspause an der Rèfuge du Viso

Zunächst folgen wir der einfachen Schotterpiste bis auf 2133 m. Dort Steigen wir vom Sattel. Es führen nun zwei Pfade weiter nach oben. Durch den Talgrund oder etwas steiler über das Rèf. du Viso (2460 m). Vor dem Passo Vallanta finden sie wieder zusammen. Beim Weg über das Rifugio kann man aber noch mal etwas verschnaufen bevor es richtig ernst wird. Deshalb gehen wir dort entlang. Der Weg ist zwar einfach, doch die Räder landen direkt auf dem Rücken. Ohne Schwierigkeiten erreichen wir um kurz nach 11 Uhr das Rifugio. Da im weiteren Tagesverlauf keine Verpflegungsmöglichkeit besteht, verinnerlichen wir auf der Terasse ein spätvormittägliches Mittagessen. Der Blick geht dabei immer wieder in Richtung Viso und Vallanta, die in greifbare Nähe gerückt sind. Auch ein paar Schneefelder lassen sich erkennen.

Passo Vallanta über uns
Passo Vallanta über uns
Schneeaufstieg
Schneeaufstieg
Geröllauftieg
Geröllauftieg

Nach der Hütte führt eine flache Passage sogar mit kurzen Fahrstücken weiter bis an den Fuß des finalen Aufstiegs. Das war es aber dann mit Ausbaustrecke. Der Weg besteht nun aus großen Steinbrocken und ist teilweise nur an den Markierungen zu erkennen. An Schieben ist nicht zu denken. Am unangenehmsten sind ein paar kleinere sulzige Schneefelder, auf denen der Halt manchmal schwierig ist. Alles zusammen ist das Ganze mit etwa 300 hm Schleppen aber erträglich und weit entfernt von manch anderen Pässen, die ich hinter mich gebracht habe (z.B. der erwähnte Malrif). Die Sorgen waren also unbegründet.

Dennoch haben wir kaum bemerkt, dass sich das Wetter in der Zwischenzeit gewandelt hat. Aus dem blauen Himmel ist eine neblige Wolkendecke geworden. Feuchte Luft aus der Poebene drückt in Richtung Westen gegen die Berge, steigt auf und kondensiert. Auch der Monte Viso ist hinter einem Schleier verschwunden. Das ist natürlich blöd. Jetzt kommen wir ihm so nah und können ihn doch nicht mehr sehen. Am Passo di Vallanta (2811 m) versinken wir vollends im Nebel. Die Szenerie hat etwas Gespenstiges. An der Kuppe des Passes hat sich ein gut 5 Meter hohes Schneefeld aufgetürmt, über das wir steigen müssen. Es ist eine Stimmung, wie im tiefsten Winter. Welch Kontrast zur sommerlichen Stimmung am Chaberton vor zwei Tagen, wo wir sogar noch ein Stück höher waren. Wir sind nun übrigens wieder in Italien.

Winterwanderung
Winterwanderung
Wegweiser mit kalten Füßen
Wegweiser mit kalten Füßen
Passo Vallanta
Passo Vallanta
Klimaerwärmung Fehlanzeige (1)
Klimaerwärmung Fehlanzeige (1)
Klimaerwärmung Fehlanzeige (2)
Klimaerwärmung Fehlanzeige (2)

Querung zum Passo Losetta
Querung zum Passo Losetta
Passo Losetta
Passo Losetta
Steinbock am Passo Losetta
Steinbock am Passo Losetta

Nach dem Pass fahren wir nicht direkt wieder ab, sondern queren noch kurz nach Westen zum Passo Losetta (2872 m). Die daran anschließende Abfahrt soll einfacher sein, als der direkte Abstieg. Leider ist die Querung länger und mühevoller als erwartet. Das nervt nun mehr, als der Aufstieg vorhin. Auf und ab geht es, bis wir endlich am Lossetta stehen. Und dort sind wir nicht mal alleine. Ein Steinbock wartet bereits auf uns. Für's Foto zeigt er leider nur den Rücken. Kurzzeitig taucht auch der Monte Viso noch mal aus dem Nebel auf. Es war das letzte Mal, dass wir ihn sahen. In den folgenden Tagen war er immer von Nebel umhüllt und auch aus der Ferne nicht mehr zu erspähen.

Vallone di  Soustra
Vallone di Soustra
Albergo Alte Alpi in Sampeyre
Albergo Alte Alpi in Sampeyre
In Sampeyre
In Sampeyre

Die 600 hm lange Abfahrt über einen Wiesenweg durch das Vallone di Soustra ist einfach und gefällt. Den Nebel lassen wir dabei hinter uns. Danach geht's auf Straße weiter bis Pontechianale (1614 m). Kurz hinter dem Stausee verlassen wir die Straße und trailen auf schönem Naturweg bis Casteldelfino (1296 m). Noch mal kurz Asphalt und dann fast 10 km High-Speed auf Naturweg bis vor die Tore von Sampeyre (971, m), dem heutigen Tagesziel. Geil!

Sampeyre liegt im Valle Varaita. Eines der großen Täler, die ihr Wasser in Richtung Po schicken. In den nächsten Tagen werden wir einige weitere dieser Täler queren. Von nun an laufen die Gebirgszüge nämlich von Ost nach West und stellen sich unserer Route mit voller Breite in den Weg. Nach zwei Tagen mit weniger als 1500 hm erwarten uns lange Auffahrten mit vielen Höhenmetern. Und die verursachen ganz neue Probleme, wie sich bereits am nächsten Tag zeigen wird.

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