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Höhenprofil

Montag, 20. Juli 2015

Tag 8: Asphalttag

Rif. Don Barbera - Valle Tanaro - Garessio - Callizano - Colle di Melogne - Finale Ligure Streckenbeschreibung

Start: 08:15 Uhr - Stop: 17:00 Uhr - Kilometer: 82 km - Höhenmeter: +975 hm / -3050 hm - Maximale Höhe: 2079 m - Fahrzeit: 6:00 h

Der letzte Tag ist angebrochen. Das ist gar nicht gut. Man arbeitet tagelang auf ein Ziel hin, das man eigentlich gar nicht erreichen will. Ein paar Stunden haben wir zum Glück noch. Die übliche Routenführung ginge nun weiter über die Kammstraße bis nach Ventimiglia am Mittelmeer. Aber erstens war ich dort schon und zweitens ist das Interesse an der Kammstraße bis auf weiteres gedeckt. Deshalb folgen wir der Spur von Stuntzi aus dem IBC nach Osten zu einem ebenfalls bekannten Mountainbiker-Revier: Finale Ligure. Wohl wissend, dass es einige Kilometer auf Asphalt sein werden.

Aufbruch an der Rifugio Don Barbera
Aufbruch an der Rifugio Don Barbera
Abfahrt von der Rifugio Don Barbera
Abfahrt von der Rifugio Don Barbera

Von der Rifugio Don Barbera (eine tolle Hütte) trailen und schieben wir über Wiesen und Steine hinunter bis zur Geländestufe an der Gola della Chiusette. Dort wird es kurzzeitig schwieriger. Dann rollt es über einen Pfad in lichten Wald hinein bis bei Carnino eine kleine Straße beginnt. Der Weg hier hinunter ist sicher kein Flowtrail, aber man kann immerhin so viel fahren, dass ich es nicht als Reinfall sehe (S2 bis S4). Für die angedachte Route auf jeden Fall sinnvoll.

Gola delle Fascette
Gola delle Fascette

Das Asphaltband befördert uns bergab bis in die Schlucht Gola delle Fascette. Kurzer Gegenanstieg und weiter geht die Schussfahrt. Erst in Ponte di Nava (870 m) im Valle Tanaro haben wir so etwas wie den Talgrund erreicht. In dem kleinen Ort gibt es auch einen Laden, was uns ein zweites Frühstück beschert. Es geht nun zwar nur noch unwesentlich noch bergab, aber bei gutem Windverhältnissen und wenig Verkehr suche ich kaum nach Alternativen abseits der Straße, um den Schwung nicht zu bremsen. So geht es vorbei an Ormea bis Garessio (650 m). Leicht verdiente Kilometer.

Mittagspause in Callizano
Mittagspause in Callizano

Dann ist aber Schluss mit Entspannen. In der betörenden Mittagssonne muss der öde Straßenpass Col Cuvasso (1092 m) erklommen werden. Erstaunen verursacht nur die gigantische Kirche im Bergdorf Valsorda. So sind wir schnell wieder unten in Callizano (661 m), wo wir etwas verzweifelt nach einer Verpflegungsstation suchen. Schließlich landen wir auf der Terasse eines einfachen Imbisses und ergattern uns ein paar Sandwiches. Im Hintergrund das erste Straßenschild nach Finale!

Der letzte Pass auf dem Trip ist der Colle di Melogne (1028 m), der durchaus schon zum Einzugsgebiet der MTB-Touren rund um Finale zählt. Die Auffahrt verläuft im Gegensatz zu vorhin viel im Schatten der Bäume. Trotzdem will ich einfach nur noch oben ankommen. Die heutigen Asphaltpassagen lassen dem Hintern abermals kaum Erholungspausen und ich trete das Meiste im Wiegetritt durch. Wir Schieben einfach zu wenig! Ziemlich überraschend taucht das Fort am Pass vor uns auf. Erleichterung.

Meerblick auf dem New Rollercoaster
Meerblick auf dem New Rollercoaster

Für die Fahrt hinunter nach Finale habe ich mir einen hochwertigen Track besorgt. Dieser führt uns zunächst im Wald noch ein bisschen hinauf und hinunter, dann stehen wir vor ein paar hübschen kleinen Schildchen. Wir entscheiden uns für den „New Rollercoaster”. Der Name ist tatsächlich ernst zu nehmen. Der Weg ist kein Naturweg, sondern extra angelegt und führt durch eine große Rinne. Immer wieder von links nach rechts und wieder zurück. Das Rad wird dabei so sehr komprimiert, dass das Vorderrad an den Protektoren schleift, die ich am Unterrohr montiert habe, und das Hinterrad an der Satteltasche rubbelt. Einige Senken beginnen mit einer senkrechten Einfahrt und sind gut 3m tief. Da schiebe ich doch lieber. Das ist vielleicht ungefährlicher aber nicht einfacher. Ich kenne von zu Hause den Flowtrail in Stromberg, aber diese Fahrt ist gut 10x so lang. Sehr anstrengend und eigentlich nicht so meine Welt. Naturwege sind mir dann doch lieber, als die künstlichen Strecken. Felix wahrscheinlich auch, denn er legt sich das ein oder andere mal in den roten Staub und sieht am Ende ziemlich abenteuerlich gepudert aus. Die ersten Blicke auf Finale und das Mittelmeer sind aber trotzdem sehr bewegend.

Finale Ligure, Strand
Finale Ligure, Strand

Als wir die Straße erreichen, reicht es uns. Der Track bietet zwar noch einen Schlenker hoch oben über Finale, aber das Ziel ruft. Die restlichen 200 hm vernichten wir auf der Straße und landen direkt im dichten Verkehr von Finale. Erst Mal direkt zum Strand! Während Mario die Sachen hütet, kurve ich mit Felix um die herumliegenden Urlauber und wir planschen ein wenig im Meer. Tolle Abschlussvariante, wenn man schon in Ventimiglia war, oder die lange Kammstraße nicht fahren möchte, und keine Asphaltphobie hat, oder einfach mal nach Finale will.

Finale Ligure, Plaza
Finale Ligure, Plaza

Der anschließende Weg zum Hotel Riz im östlichen Teil von Finale, das ich per booking.com bereits klar gemacht habe, ist nicht ganz so einfach wie gedacht. Einbahnstraßen und Baustellen fordern uns ein bisschen. Nach dem Einchecken im Hotel parken wir die Räder in der Garage und stürzen uns zu Fuß ins abendliche Getümmel. Erst traditionell eine Abschlusspizza (muss einfach sein), dann noch ein paar Cocktails auf dem Plaza und der letzte Tag ist auch zu Ende. Schön war's! Die Westalpen sind schon eine außergewöhnliche Gegend. Das Wilde und die dünne Besiedelung faszinieren mich immer aufs Neue. Ich komme bestimmt wieder. Die Rückfahrt mit der Bahn nach Oulx am nächsten Morgen verläuft reibungslos. Nach Umsteigen in Savona und Turin sind wir am frühen Nachmittag zurück am Auto und kurz vor Mitternacht wieder zu Hause.

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