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Samstag, 28. August 1999

Tag 3: Zum Brenner

Weideder Hütte - Geiseljoch - Tux - Tuxer Joch - Nößlach Streckenbeschreibung

Kilometer: 56 km - Höhenmeter: 2000 hm - Schnitt: 9,2 km/h - Max: 77 km/h - Fahrzeit: 6 h

Die Weidener Hütte (1800 m)
Die Weidener Hütte (1800 m)
Am Geiseljoch (2292 m), im Hintergrund der Olperer (3476 m)
Am Geiseljoch (2292 m), im Hintergrund der Olperer (3476 m)

Heute ist wunderschönes Wetter. Nur ein paar Quellwolken ziehen am Himmel vorbei, als wir um 8:30 starten. Frisch gestärkt lassen sich die letzten 500 hm zum Geiseljoch (2291 m), das man schon von der Hütte aus gesehen hat, gut fahren. Die anderen warten manchmal auf mich, damit wir zusammenbleiben. Am Joch machen wir eine längere Pause und genießen das Wetter und den Blick.

Abfahrt vom Geiseljoch
Abfahrt vom Geiseljoch

Die Abfahrt nach Vorderlanersbach (1257 m) über eine Forststraße ist leicht. Felix nutzt die Gelegenheit und legt sich dabei ein paar Sachen zum Trocknen auf den Rucksack. Unten fahren wir auf der weniger schönen Hauptstraße Richtung Hintertux wieder leicht bergauf. Viele Touristen sind hier unterwegs, die am Olperer mit dem Tuxer Gletscher Skifahren gehen. Konnte ich letztes Jahr über so etwas nur mit dem Kopf schütteln, so ist es diesmal schon ein gewohnter Anblick.

Der Hunger setzt langsam ein und wir beschließen, noch bis zur Bichlalm zu fahren. Kurz vor Hintertux (1493 m) verlassen wir die Teerstraße und fahren steil bergan Richtung Tuxer Joch (2338 m). Nach einigen Serpentinen sind wir an der Bichlalm, wo wir uns an einen freien Tisch auf der Terasse setzen. Hier haben wir einen wunderschönen Ausblick auf den Olperer mit seinen 3476 m (Das Foto dazu ist leider nichts geworden). Auf halber Strecke zum Tuxer Joch sehen wird auch die Sommerbergalm, an der wir noch vorbei müssen. Das ist die Bergstation der Gondelbahn, die von Hintertux herraufkommt. Der Ort liegt im Tal unter uns und besteht hauptsächlich aus Hotels und Parkplätzen. Da wir nach dem Tuxer Joch fast nur noch bergab zu müssen, freuen wir uns, dass wir heute nicht bis spät abends unterwegs sind. Aber es kommt alles anders.

Während wir an der Bichlalm auf unser Essen warten, tut es einen gewaltigen Knall. Während ich auf der gut gefüllten Terasse viele fragende Gesichter sehe, weiß ich sofort, was los ist. Ein Blick auf mein Fahrrad bestätigt den Verdacht. Der Hinterreifen ist platt. Ok, Routine habe ich ja jetzt beim flicken. In Rekordzeit ist der Reifen zerlegt und der zweite Ersatzschlau hervorgekramt. Dieses Mal ist der Schlauch auf einer Länge von mehreren Zentimetern eingerissen. Das Klebeband am gestern geflickten Mantel taugt nichts mehr und so klebe ich die kaputte Stelle neu ab. Hätte ich mir doch nur noch einen neuen gekauft. Es ist Samstag nachmittag, hoffentlich hält dieser überhaupt bis Montag.

Nachdem ich wieder Luft aufgepumpt habe, was mit dem Ventiladapter und der Pumpe von Alexander ein Trainingsprogramm für sich ist, genieße ich endlich mein Mittagessen. Mit Entsetzen werfe ich danach einen Blick auf mein Fahrrad. Der Hinterreifen ist an einer Stelle wie ein großer Ballon auseinandergegangen. Das Klebeband hält den Mantel also nicht mehr zusammen. Verzweiflung macht sich breit. Es ist Samstag, kurz nach 14 Uhr. Um diese Uhrzeit hat doch kein Laden mehr auf. Wenn doch, dann dürfte es unmöglich sein in dieser Skitouristen-Gegend einen MTB-Mantel zu bekommen. Innerlich stelle ich mich bereits darauf ein, dass wir bis Montag hier im Tal bleiben müssen.

Der Kellner fragt mich, ob so ein geplatzer Reifen häufiger vorkommt. Ich verneine. Schließlich haben wir bei zwei Alpenüberquerungen nicht einen einzigen Platten gehabt. Wir fragen den Kellner, ob es unten in Hintertux einen Laden gibt, der Fahrradzubehör hat. Zu unserer Freude hören wir, dass es dort ein Sportgeschäft gibt. Ob es noch auf hat, weiß er nicht. Er will für uns anrufen.

Das Sportgeschäft hat bis 16 Uhr offen und auch noch einen Reifen für mich. Ein Hoffnungsschimmer. Da das Geschäft im Tal ist, werden wir bei dieser Aktion sehr viel Zeit verlieren. Eine Idee wäre die Gondelbahn, die aus dem Ort zur Sommerbegalm führt. Dort müssen wir sowieso hin. Wir machen einen Plan. Noch einmal telefoniert der Kellner für uns und er erreicht, dass ich in der Seilbahn ein Fahrrad mitnehmen darf. Also machen wir folgendes:

Ich nehme Felix' Rad und lasse mich auf dem viel zu hohen Sattel zurück ins Tal rollen. Von dort sind es nur noch wenige Meter bis Hintertux (1493 m). Währenddessen machen sich Alexander und Felix von der Bichlalm schiebend auf den Weg Richtung Sommerbergalm, wo wir uns wieder treffen wollen. Schnell habe ich den einzigen (aber guten) Mantel und zwei Schläuche gekauft. Ich hänge ihn mir um den Hals und begebe mich zur Seilbahn. Die Gondeln sind sehr eng und nur mit Mühe komme ich zusammen mit dem Fahrrad hinein, obwohl das Vorderrad ausgebaut ist.

Schon während der Fahrt versuche ich die anderen beiden am Berg zu erkennen, sehe sie aber nicht. Nachdem ich mitten im Touristenrummel der Sommerbergalm (1986 m) ausgestiegen bin, dauert es noch fast eine halbe Stunde, bis sie endlich ankommen. Sie können kaum glauben, dass ich so schnell war. Da der Weg hier hoch sehr steil gewesen ist, hätten wir durch das Schieben kaum Zeit verloren. Jetzt nur noch Mantel einbauen, den Kampf mit der Luftpumpe durchstehen und es kann weitergehen.

Alex auf dem Weg zum Tuxer Joch vor dem Olperer (3476 m)
Alex auf dem Weg zum Tuxer Joch vor dem Olperer (3476 m)
Am Tuxer Joch (2338 m)
Am Tuxer Joch (2338 m)

Wir liegen ca. 2 h hinter unserem Zeitplan. Die Sonne scheint immer noch, aber es ziehen dicke Wolken auf. Abseits des Rummels legen wir die Meter zum Tuxer Joch (2338 m) zurück, wieder müssen wir teilweise schieben Oben angekommen ist das Wetter richtig duster geworden. Da es in der Ferne bereits blitzt, dränge ich zur Weiterfahrt. 400 hm müssen wir jetzt einen schmalen Wanderpfad hinunterschieben und -heben. Der Alptraum eines Bikers, Höhenmeter auf diese Art zu vernichten. Es wird immer finsterer, aber es ist noch trocken.

Abstieg vom Tuxer Joch
Abstieg vom Tuxer Joch

Auf einer Forst- und Teerstraße lassen wir uns weitere 800 hm ins Tal (1100 m) rollen. Dann geht es los, starker Regen setzt ein. Aber was solls, wir sind ja kurz vor dem Ziel. Aus dem Tal bis Nösslach (1350 m) sind laut Routenbeschreibung nur noch 20 min. zu Schieben. Schön wär's gewesen. Über eine Stunde müssen wir unsere Fahrräder über patschnasse Wiesenwege bei strömendem Regen unter der Brennerautobahn hindurch nach Nösslach schieben. Dabei haben wir offenbar den falschen Weg erwischt. Es ist nämlich zunächst nichts zu sehen vom Hummlerhof, wo ich heute morgen ein Zimmer für uns reserviert habe.

Alexander will schon nach einer anderen Unterkunft fragen, aber ich bestehe darauf, den Hummlerhof zu suchen. Nach einem kurzen Stück auf einer Autostraße haben wir ihn dann erreicht. Es ist 19 Uhr. Es ist ein richtig großer Gasthof, wo wir uns als Entschädigung für das schlechte Wetter ein gutes Abendessen und einige Weizen gönnen.

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