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Höhenprofil

Donnerstag, 2. September 2004

Tag 2: Langsam geht es nach oben

Chur - Scharans- Alter Schyn - Tiefencastel - Savognin - Sur Streckenbeschreibung

Start: 8:30 Uhr - Stop: 18:15 Uhr - Kilometer: 67 km - Höhenmeter: +1900 hm / -950 hm - Maximale Höhe: 1517 m (Sur) - Schnitt: 11,7 km/h - Max: 55,8 km/h - Fahrzeit: 5:45 h

Die erste Nacht ist gut überstanden und auch mein Hintern hat sich etwas erholt. Schwer getroffen muss ich allerdings den Verlust meiner Radhandschuhe ertragen, die sich auch nach einiger Suche nicht mehr finden lassen. Trotzdem beginne ich mich langsam mit der Schweiz anzufreunden: das Hotel ist für Churer Verhältnisse recht günstig (78 SFR alles zusammen), der Himmel strahlend blau, und es geht heute endlich richtig in die Berge. Die Stadt liegt allerdings noch im Schatten und es ist verdammt kalt, als wir uns einen Weg aus den Häuserschluchten hinaus suchen. Zu meinem Glück erwische ich dabei noch einen geöffneten Fahrradladen, der zu meinem Pech nur weiße Handschuhe in passender Größe hat. Was soll's, ab sofort fahre ich halt als Pantomime durch die Gegend, um 50 Franken erleichtert.

Die heutige Route ist noch ein bisschen offen. Da keine Übernachtung festliegt, wollen wir – wenn die Zeit reicht – am Nachmittag über die Alpe Flix fahren, um uns bei der Anfahrt nach Bivio am Fuße des Septimer Passes eine Menge Teer zu ersparen. Das sind aber mindestens 400 hm zusätzlich.

Eine Herde Appetittanreger am Morgen auf der Velolandroute 6
Eine Herde Appetittanreger am Morgen auf der Velolandroute 6
Auf dem Weg nach Scharans am Hinterrhein
Auf dem Weg nach Scharans am Hinterrhein

Wir fahren auf dem Radweg bis Domat (581 m) und von dort (nach kurzem Kartenstudium) weiter auf der ausgeschilderten Velolandroute 6. Diese folgt nach einem kurzen knackigen Anstieg dem Hinterrhein. Den kompletten Rhein bekommen wir nicht mehr zu Gesicht, aber gestern hat es auch gereicht. Leicht hügelig erreichen wir über kleine Ortschaften und Nebenstraßen hinter Scharans (766 m) den Einstieg zum alten Schyn. Die Bedeutung dieses Weges in der Geschichte ist mir leider nicht bekannt. Er ist aber stellenweise nur noch ein schmaler Wandersteig, auf dem wir die Räder schieben und heben müssen. Auch fahrenderweise geht es ständig auf und ab und wir kommen langsamer voran, als gedacht. Ein Mittagessen wäre deshalb nicht schlecht. Interessant ist ein kurzer Tunnel, der so stockdunkel ist, dass ich nur mit Entlangtasten an der Wand durchkomme. Nicht so Alexander, der den Entdeckergeist mit einer Lampe abwürgt.

Daniel auf dem alten Schyn-Trail
Daniel auf dem alten Schyn-Trail
Einfahrt in einen Tunnel am Schyn
Einfahrt in einen Tunnel am Schyn

Erwähnswert ist noch, dass diese Gegend offenbar ein beliebtes Ausflugsziel ist und heute einige Schweizer Schulen Ausflugstag haben. Ich weiß wirklich nicht mehr wieviele Schulklassen uns im Laufe des Vormittags begnet sind, aber einsam waren wir wirklich nicht.

Blick auf den Piz Ela (3339 m)
Blick auf den Piz Ela (3339 m)
Fertig-Pizza-Pause in Alvaschein (1001 m)
Fertig-Pizza-Pause in Alvaschein (1001 m)

Nachdem wir auch am Ende des Schyn bei Muldain (1190 m) keine Einkehrmöglichkeit finden, fliegt die Punt da Solas aus der Route und wir rollen hinunter nach Alvaschein, wo es endlich etwas zum Picken gibt. Fertig-Pizza-gestärkt queren wir bei Tiefencastel (851 m) den Albula Bach und schrauben uns auf einem kleinen Sträßchen hinauf nach Mon (1231 m). Die Sonne prallt zwar ordentlich, doch die Temperaturen sind erträglich. Die Landschaft lässt mittlerweile richtige Alpencross-Gefühle aufkommen. In Riom verlassen wir die Straße und erreichen bei Savognin (1207 m) einem kleinen Badesee. Da ich mittlerweile keine Chance mehr sehe, dass wir die Alpe Flix noch machen können, bin ich extrem einverstanden mit einer Pause. Während Alexander und Matthias im See planschen, erkunde ich den weiteren Weg.

Straßenauffahrt nach Mon (1231 m)
Straßenauffahrt nach Mon (1231 m)

Bis zur kleinen Häuseransammlung Rona (1408 m) geht es noch abseits der Straße, danach bleibt uns nichts anderes übrig, als dem Verkehr zu folgen. Immer wieder schweifen meine Blicke nach oben, auf der Suche nach dem Weg, der zur Alpe Flix hinaufgeht. Die Entscheidung für die Straße war aber richtig, denn die Sonne hat sich schon hinter die Berge verzogen und eine Übernachtungsmöglichkeit wäre nun genau das Richtige. Anvisiert ist Sur (1538 m), das auf der Karte einen größeren Eindruck macht. Obwohl der Ort eigentlich etwas oberhalb liegt, stehen auch einige Häuser an der Straße. Zu diesen gehört auch das Hotel Flex, das – wie wir später sehen – in Kooperation mit dem Hotel auf der Alpe Flix geführt wird, welches laut Carsten Schymik ordentlich abkassiert. Vielleicht haben wir die Übernachtung zu überstürzt klar gemacht und hätten noch in Sur direkt suchen sollen. Wenigstens die Zimmer sind gut, aber das Essen fällt bis auf meine Spaghetti äußerst dürftig aus.

Im Rückblick hat auch dieser Tag nicht viel zu bieten gehabt. Die Berge werden zwar langsam höher, aber der Erlebniswert ist noch etwas dürftig. Der alte Schyn ist sicher strategisch sinnvoll, eine Reise wert ist er nicht. Weder fahrtechnisch, noch landschaftlich. Die alternative Route von Chur über Lenzerheide halte ich aber für noch weniger interessant.

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