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Höhenprofil

Mittwoch, 8. September 2004

Tag 8: Kultetappe zum Abschluss

Bondo - Pieve di Bono - Storo - Passo d'Ampola - Tremalzo - Passo Nota - Pregasina - Riva Streckenbeschreibung

Start: 8:30 Uhr - Stop: 16:30 Uhr - Kilometer: 84 km - Höhenmeter: +1650 hm / -2350 hm - Maximale Höhe: 1812 m (Tremalzo)  Schnitt: 13,3 km/h - Max: 59,6 km/h - Fahrzeit: 6:30 h

Weil ich in den letzten Jahren sehr schlechte Erfahrungen mit Übernachtungen in abgelegenen italienischen Dörfern gemacht habe, bin ich positiv überrascht vom Frühstück, dass wir hier aufgetischt bekommen und auch der Preis ist günstig. So bleibt dieses Jahr nicht nur das Wetter unvergesslich, auch bei den Übernachtungen haben wir keine einzige Pleite erlebt. War die gestrige Strecke eher eine Zubringeretappe und für mich sowieso nichts Neues, wird es heute mit dem Tremalzo nochmal interessant. Diesen Berg kann man immer wieder fahren. Die abschließende Abfahrt hinunter zum See ist die beeindruckenste Zielankunft, die man erleben kann. Dieses Jahr ist sogar die sagenumwobene Ponalestraße wieder geöffnet.

S.Croce: Auffahrt zum Tremalzo
S.Croce: Auffahrt zum Tremalzo

Das Val Guidicarie liegt noch im Schatten und ich friere mir auf der leicht abfallenden Straße nach Storo (388 m) einiges ab. Nach kurzer Pause in der Sonne und Auftanken an einem Supermarkt machen wir uns ans Finale, den Anstieg zum Tremalzo. 1500 hm Anstieg erwarten uns nun. Die ersten Straßenschilder weisen bereits den Weg nach Riva, doch wir werden ihnen nicht lange folgen. Die erste Möglichkeit zum Abzweigen bietet das Val Lorina am Forte Ampola. Doch da wir nicht genau wissen, was uns dort an Schieberei erwartet, fahren wir weiter zum Passo d'Ampola (730 m), um die normale Teer-Route zu nehmen. Keiner hat heute noch Lust auf Experimente. Am Ampola ist der Teufel los. Zwanzig bis 30 Biker warten offensichtlich nur noch auf den offiziellen Startschuss, um ebenfalls den Berg zu erklimmen. Ich filme noch schnell ein bisschen und hänge mich erleichtert hinter das Feld. So muss ich nicht ertragen, von jedem einzelnen überholt zu werden. Tatsächlich gelingt es mir sogar, einen von ihnen zu überholen, und eine Weile mit ihm zu quatschen.

Auffahrt zum Tremalzo
Auffahrt zum Tremalzo
Spaghetti im Ort Tremalzo
Spaghetti im Ort Tremalzo

An der kleinen Kapelle S.Croce (1138 m) treffe ich wieder auf Christian und Matthias und wir rasten eine Weile. Heute herrscht grandiose Aussicht im Vergleich zu meinem letzten Besuch hier oben, wo wir nichts als Wolken um uns herum hatten. Nächster Stopp ist ein Brunnen am Straßenrand, der auch zahlreiche andere Radler angezogen hat. Hier leiste ich mir trotz meiner sonst sehr vernünfitgen Fahrweise einen echten Hammer. Etwas neben der Spur merke ich nämlich 1 km später, dass ich meine Trinkflaschen stehen gelassen habe. Da die beiden anderen schon wieder davongezogen sind, drehe ich genervt um und rase wie ein Gestörter die Straße hinunter; natürlich ohne Helm, denn wir fahren ja eigentlich bergauf. Ich nutze die volle Fahrbahnbreite und es kommt wie es kommen musste: nach einer unübersichtlichen Kurve taucht ein Laster vor mir auf. Mit blockiertem Hinterrad und ohne Vorderbremse (ich hatte die Backen wegen der verbogenen Scheibe auseinandergedrückt) schlittere ich auf meine Seite zurück und komme heile an dem Gefährt vorbei. Alles vor den Augen der Radler, die immer noch an dem Brunnen stehen. Extrem peinlich, also schnell Flaschen eingesammelt und wieder weg.

Ankunft von Christian und Daniel am Tremalzo-Tunnel (1800 m)
Ankunft von Christian und Daniel am Tremalzo-Tunnel (1800 m)
Tremalzo-Kehren
Tremalzo-Kehren
Auf der Abfahrt vom Tremalzo
Auf der Abfahrt vom Tremalzo

Kurz vor der Passhöhe kann ich bei einem Teller Spaghetti in der Sonne erst mal den Schock verdauen. Nur noch wenige Meter trennen uns jetzt vom höchsten Punkt des Tages. Der Weg zum Rifugio Garda (1702 m) zieht sich zwar noch mal kurz, das anschließende Schotterband bis zum Tremalzo-Tunnel (ca. 1800 m) läuft dann aber ganz entspannt. Christian bleibt sogar mal bei mir und so kann ich einige Filmaufnahmen mit ihm machen. Wir sind wahrlich nicht die einzigen. Ich habe noch nie so viele Biker und Wanderer hier oben erlebt. Nach dem Tunnel habe wir das Glück, dass ein Mädel von der großen Truppe einen Platten hat und wir so die Rüttel-Abfahrt fast für uns alleine haben. Ich habe nicht so viel Vergnügen bei, denn die Plattengefahr ist wieder extrem groß. Erleichtert komme ich ohne Defekt am Passo Nota (1240 m) an. Nun geht es die übliche Piste hoch über dem Val Singol entlang bis zum Passo Rochetta (1158 m). Auf dieser wirklich schönen Strecke mit ein paar harmlosen Gegenanstiegen fängt sich zwar Matthias trotz seines fetten Albert noch einen Platten ein, aber gegen einen Nagel hat höchstens ein Holzreifen eine Chance. Immer wieder genießen wir den Blick auf den sich unter uns ausbreitenden Gardasee.

Blick auf den Gardasee
Blick auf den Gardasee
Blick auf das nördliche Gardasee-Ende
Blick auf das nördliche Gardasee-Ende
Ponale-Straße und Riva
Ponale-Straße und Riva
Zielfoto: Christian, Matthias, Daniel
Zielfoto: Christian, Matthias, Daniel

Im Sturzflug durchqueren wir Pregasina (532 m) und erreichen das nächste Highlight, die wiedereröffnete Ponalestraße auf den letzten Metern nach Riva (66 m). Die Neugier ist nicht nur bei uns riesengroß und es sind ebenso viele Fußgänger wie Biker unterwegs. Voller Begeisterung rollen wir schließlich in Riva ein. Christian und Matthias nehmen ihr erstes Bad, während ich auf die Räder aufpasse und alles im Film festhalte. Dann ist noch Übernachtungssuche angesagt, denn meine Stammunterkunft, das Hotel Orchidea, hat seinen Besitzer gewechselt und ich weiß nicht, was uns dort erwartet. Da der Eingang geschlossen ist, fahren wir sofort zur nächsten Möglichkeit, der Pension Benjamino, einer Empfehlung eines Bekannten. Für 23 € bekommen wir ein Zimmer zu dritt.

Nach einem Anruf bei Alexander schleppe ich Christian und Matthias zum Abschlussessen ins Hotel Centrale. Es wäre kein richtiger Alpencross, wenn ich nach sieben Jahren die Pizza in einem anderen Lokal essen müsste. Mit reichlich Wein meinerseits und ein paar Cocktails zum Absacken landen wir zufrieden in den Federn. Nur Alexanders Fehlen fiel heute Abend wieder schmerzlich auf. Dies ist auch der Grund, warum wir einvernehmlich entschieden haben, bereits übermorgen die Heimreise anzutreten. Auf zwei Tage Aufenthalt hat keiner von uns Lust.

Abschlussfeier (1) im Hotel Centrale
Abschlussfeier (1) im Hotel Centrale
Abschlussfeier (2)
Abschlussfeier (2)
Hafen in Riva
Hafen in Riva
Abschlussfeier (3)
Abschlussfeier (3)

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