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Höhenprofil

Mittwoch, 15. Juli 2009

Tag 3: Zubringeretappe

Engelberg - Trübsee - Jochpass - Engstlen Alp - Innertkirchen - Rosenlaui - Große Scheidegg Streckenbeschreibung

Start: 9:30 Uhr - Stop: 19:00 Uhr - Kilometer: 51 km - Höhenmeter: +1625 (+450) hm / -1600 hm - Maximale Höhe: 2172 m - Schnitt: 7,9 km/h - Max: 67 km/h - Fahrzeit: 6:20 h - Temperatur: 13 - 34 C°

Morgendliche Tristesse in Engelberg (1004 m)
Morgendliche Tristesse in Engelberg (1004 m)
Aufahrt zum Unter-Trübsee, hinten Engelberg
Aufahrt zum Unter-Trübsee, hinten Engelberg
Aufbruch
Aufbruch

Der morgendliche Blick aus dem Fenster ist ernüchternd. Es regnet. Also ganz langsam. Nach Frühstück, Telefonieren und Einkaufen sieht die Lage schon etwas besser aus, wir können ohne Regenklamotten den Tag starten. Ein massiver Bergriegel erhebt sich südlich von Engelberg (1004 m). Aber irgendwo muss es ja drüber gehen. Wir starten die Auffahrt an der Seilbahn zur Gerschnialp. Dabei scheint schon wieder die Sonne durch die ersten Wolkenlöcher. In einem Bogen führt die Straße nach Unter-Tübsee (1301 m) und weiter auf steilstem Schotter nach Ober-Trübsee. Die ersten Schiebestücke sind zu bewältigen. Wir sind dabei den Wolken nahe gekommen und umgeben von gespenstigen Nebelschwaden. Teilweise sieht man keine 50 m weit.

Unter-Trübsee (1301 m)
Unter-Trübsee (1301 m)
Auffahrt zum Trübsee (1764 m)
Auffahrt zum Trübsee (1764 m)
Trübsee (1764 m)
Trübsee (1764 m)

Als wir am Trübsee (1764 m) alle wieder zusammen sind, checken wir erst mal die Lage. Bis zum Jochpass (2207 m) wollen wir nämlich die Seilbahn nehmen. Auf den 400 hm wäre kein Meter zu fahren. Wir halten uns auch nicht lange auf, denn der Trübsee ist wahrlich kein Fleckchen zum träumen. Entspannt gondeln wir nach oben, denn zu dieser frühen Stunde ist kaum Betrieb.

Seilbahn zum Jochpass, unten der Trübsee
Seilbahn zum Jochpass, unten der Trübsee
Seilbahn zum Jochpass
Seilbahn zum Jochpass

An der Bergstation stecken wir wieder ziemlich in den Wolken. Es ist kühl. In unserer Richtung sieht es aber ganz gut aus. Vor der Abfahrt haben die Schweizer für uns eine kleine Überraschung parat. Der knifflige Wanderpfad in Richtung Engstlenalp ist für Biker gesperrt, direkt daneben wurde stattdessen ein neuer Weg für Biker angelegt. Dieser hat zwar S0-Charakter und könnte fast ebenso gut mit einem Kinderwagen befahren werden (gute Bremsen vorausgesetzt), aber uns beeindruckt diese Art der Konfliktvermeidung mit Wanderern. So ist es gar keine Frage, dass wir den neuen Weg nehmen, obwohl wir hier praktisch alleine sind.

S0-Biketrail zum Engstlensee
S0-Biketrail zum Engstlensee
Engstlenalp (1834 m)
Engstlenalp (1834 m)
Am Engstlensee
Am Engstlensee

Der Weg ist trotz oder wegen seiner Einfachheit ganz spaßig. Fast wie eine Murmelbahn, nur bremsen darf man nicht vergessen. Am schönen Engstlensee treffen wir wieder auf den Wanderweg und erreichen kurz darauf die Engstlenalp (1834 m). Dort reißen endlich wieder die Wolken auf und geben den Blick frei auf die umliegenden Berge. Die naturbelassene Gegend ohne Liftanlagen lädt ein zu einer ausgedehnten Pause. In der Ferne kann man zwischen den quellenden Wolken bereits die Eisriesen im Herz der Berner Alpen erahnen. Die Engstlenalp wäre sicher auch ein toller Ort zum Übernachten.

Pfad zur Baumgartenalm (2)
Pfad zur Baumgartenalm (2)
Pfad zur Baumgartenalm (1)
Pfad zur Baumgartenalm (1)

Der weitere Weg soll uns über Trails zur Baumgartenalm und weiter hoch über dem Gental über schmale Pfade bis nach Meiringen führen. Bis zur Baumgartenalm (1702 m) ist das allerdings ein solches Gestochere, dass wir darin keinen weiteren Sinn sehen und ab der Alm auf die Straße im Talgrund ausweichen. Diese Entscheidung bereuen wir trotz der nun beengten Aussicht nicht. Nach einer tollen Abfahrt durch das einsame Tal verlassen wir die Straße noch einmal, und über Forst- und Wiesenwege geht es nach Innertkirchen (625 m).

Ausrollen im Gental
Ausrollen im Gental
Aareschlucht
Aareschlucht

Nach dem obligatorischen Supermarkt-Besuch und einem kurzem Stopp an der touristischen Aareschlucht beginnt der nächste Aufstieg durch das Reichenbachtal zum geplanten Tagesziel Rosenlaui (1328 m). Auf einer kleinen Straße geht es aufwärts durch den Wald. Ich lasse schnell zu den anderen beiden abreißen. Das erste Zusammentreffen erfolgt beim Gasthaus Zwirgi (971 m), das ebenfalls einen sehr guten Eindruck für eine Übernachtung macht. Doch es ist noch ein bisschen früh. So schauen wir uns kurz die Reichenbachfälle an, die sich tief in den Fels gefressen haben, und treten weiter die Straße hinauf. Immer wenn ein Tuten ertönt, heißt es schnell einen sicheren Platz zu suchen. Dann kommt nämlich der nächste Postbus und diesem möchte man nur ungern im Weg stehen.

Reichenbachfälle
Reichenbachfälle
Rosenlauigletscher
Rosenlauigletscher

Meine Kräfte haben ziemlich nachgelassen. Der Rosenlaui-Gletscher zur Linken lässt das Ziel zum Glück schon erahnen. Am gleichnamigen Hotel treffe ich wieder auf Andreas und Thomas, die auf mich gewartet haben, aber bereits abwinken. Es rächt sich das erste mal seit unserem Start, dass ich nicht im Laufe des Tages eine Reservierung vorgenommen habe. Kaum zu glauben, wenn man sich das riesige Rosenlaui so ansieht. Also was tun? Zurück zum Zwirgi und morgen mit dem Bus die Strecke wieder rauf fahren? Wenig motivierend. Nur wenig weiter soll die Schwarzwaldalp (1456 m) sein, wo wir auch übernachten könnten. Also erster Gang rein und weiter.

Wetterhorn (3692 m), Vorbote des Eigers
Wetterhorn (3692 m), Vorbote des Eigers

Die Schwarzaldalp sieht nett aus. Nichts ahnend, was noch kommen wird, bin ich zunächst erleichtert, dass wir weiterfahren mussten. Denn Übernachtungen gäbe es tatsächlich ... normalerweise. Aber nicht zur Zeit, denn der gesamte Schlafbereich wird gerade renoviert. Wir können die Wirtsleute auch nicht davon überzeugen, dass wir uns in die Gaststube legen oder auf eine Matratze am Boden. Also was bleibt? Das Berghotel Große Scheidegg (1962 m) ist die nächste Unterkunft an der Strecke. Allerdings satte 500 hm weiter oben. Mir ist nun irgendwie alles egal. Die Zeit ist noch gut, nur meine Kräfte sind bedenklich, aber Alternativen gibt es keine. Um kein weiteres Risiko einzugehen, lassen wir uns die Telefonnummer geben und Andreas reserviert uns endlich erfolgreich eine Übernachtung, das motiviert! Und ich kann vorwegnehmen: das Schicksal wollte, das der Tag so gelaufen ist, das Berghotel Große Scheidegg ist einfach klasse! Doch zunächst steht noch der persönliche Schweinehund im Weg. Mit Wille geht zwar alles, aber so langsam, dass man das Ziel nie zu erreichen scheint. Mein zwischenzeitliches Hoffen auf einen weiteren Postbus wird enttäuscht. Es ist vermutlich zu spät.

Blick vom Berghotel Große Scheidegg zurück zum Reichenbachtal
Blick vom Berghotel Große Scheidegg zurück zum Reichenbachtal

Als ich endlich das Berghotel vor mir habe, bin ich aber direkt begeistert. Zum einen empfängt mich Andreas auf der Terrasse mit einem frischen Weizen, zum anderen ist die Aussicht einfach unvergleichlich. Seit sechs Jahren plane ich diesen Trip, drei Jahre lang musste er immer wieder verschoben werden, und nun bin ich endlich hier. Direkt vor mir liegt der Berg der Berge, der Eiger. Ich bin zwar kein Bergsteiger, aber dieser Haufen Fels strahlt sicher auf jeden eine besondere Faszination aus. Und von der Scheidegg hat man den totalen Panoramablick, bis hinüber zur Kleinen Scheidegg, dem Ziel für morgen. Nur Grindelwald kann man nicht sehen, es liegt im Loch dazwischen. Ich bin sehr froh, dass die anderen Übernachtungen gescheitert sind. Das hebt die Laune bedenklich. Es sind nur wenige Gäste und wir verbringen einen äußerst geselligen Abend. Diese Unterkunft muss man einfach mitnehmen.

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