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Höhenprofil Tag 2
Höhenprofil Tag 2

Samstag, 18. August 2018

Tag 2: Härtetest

Schneibsteinhaus - Torrener Joch - Golling - Werfen - St. Johann im Pongau - Großarl - Tofernscharte - Bad Gastein Streckenbeschreibung

Start: 08:00 Uhr - Stop: 19:30 Uhr - Kilometer: 92 km - Höhenmeter: +1925 hm / -2500 hm - Maximale Höhe: 2090 m - Schnitt: 13,2 km/h - Max: 56 km/h - Fahrzeit: 7 h

Schneibsteinhaus (1670 m) am Morgen
Schneibsteinhaus (1670 m) am Morgen
Blick vom Torrener Joch (1728 m) nach Osten ins Bluntautal
Blick vom Torrener Joch (1728 m) nach Osten ins Bluntautal

Wir hatten eine ganz angenehme Nacht und sind früh auf den Beinen. Nachdem am Abend noch die regional bekannte Tochter des Hauses (Nina Schlesener) mit einigen Bekannten anwesend war, sind letztendlich nicht viele Gäste über Nacht geblieben. Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Unterkunft. Der zweite Tag beginnt, wie der vorherige geendet hat, sehr schön. Ruckzuck sind die paar Höhenmeter zum Torrener Joch (1728 m) hochgeschoben. Es empfiehlt sich, früh in die Abfahrt einsteigen, um Kollisionen mit Wanderern zu vermeiden, die Trailabfahrt ist nämlich offiziell für Biker gesperrt.

Abfahrt vom Torrener Joch (1728 m)
Abfahrt vom Torrener Joch (1728 m)
Piste und Trail zur Unteren Jochalm (1172 m)
Piste und Trail zur Unteren Jochalm (1172 m)

Am Carl-von-Stahl-Haus ist denn auch schon einiges los. Und wie zu erwarten, leuchtet am Joch ein schönes Verbotschild. Hier ist die Sache aber tatsächlich alternativlos, einen anderen Weg hinunter gibt es nicht. Noch dazu ist es der einzige ernst zu nehmende Trail unserer gesamten Tour. Also ist Genießen Pflicht! Das Wegelchen fährt sich auch ganz akzeptabel, nur selten muss mal ein Fuß nach unten. Und nach etwas mehr als 300 hm ist der Spaß bei der Oberen Jochalm eigentlich schon wieder vorbei. Ich versuche mich allerdings noch ein bisschen an den Wegabschneidern. Als es dann zu verblockt wird, nehm ich wie Arndt die Piste. Mit viel Spaß vernichten wir noch mal 700 hm auf der kehrenreichen Murmelbahn bis zum Parkplatz an der Bärenhütte. Den Rest des Bluntautals folgen wir dem Wanderweg neben dem malerisch dampfenden Torrener Bach.

An der Autobahn-Raststation Golling-West (481 m) der Tauernautobahn A10 hat die Romantik ein schnelles Ende. OSM-Karte und Wirklichkeit divergieren irgendwie auseinander und unüberwindbare Zäune versperren uns den Weg. Mit etwas Pfadfindergeschick erreichen wir aber ohne Umzudrehen den Tauernradweg, dem wir nun eine ganze Weile folgen werden. Denn heute heißt es Strecke machen. Das anvisierte Ziel ist Bad Gastein. Die Gesamtstrecke wäre wohl um die 90 km und führt noch über die Tofernscharte. Ich bin nicht sicher, ob das funktionieren wird.

Werfen (548 m)
Werfen (548 m)
Pause in Werfen (548 m)
Pause in Werfen (548 m)

Der Radweg verläuft direkt neben der Straße und steigt zum Pass Lueg (552 m) leicht an. Bis Werfen (548 m) mit seiner dominanten Burg bleibt die Straße über etwa 15 km unser Begleiter. Das Tal ist nicht uninteressant, vor allem wegen der Infrastruktur, die hier reingequetscht wurde: Bahn, Bundesstraße und Autobahn. Vom Verkehr befreit, ist in Werfen endlich Zeit für eine Frühstückspause. Danach geht es dann bis St. Johann im Pongau (568 m) fast immer direkt an der Salzach entlang. Nur unterbrochen von einem Supermarktbesuch in Bischofshofen, wo wir uns für den Rest des Tages eindecken. Von den heute geplanten Kilometern haben wir damit etwa die Hälfte. Das sieht noch gut aus.

Liechtensteinklamm
Liechtensteinklamm

Nun verlassen wir die Salzach und den Tauernradweg, die nach Westen schwenken. Unsere Route geht geradewegs weiter nach Süden hinauf ins Großarltal, ein Paralleltal zum westlicheren Gasteinertal, in das wir später hinüberqueren. Die ersten 300 hm sind etwas eklig auf steiler Straße. Bis auf einen kurzen Stop oberhalb der Liechtensteinklamm fahren wir jeder sein eigenes Tempo. Weiter oben wird das Tal deutlich flacher und es gibt auch wieder einen Radweg. Das Großarltal ist nur Durchreisestation. Es heißt weiter Strecke machen.

Zur Tofernscharte (2091 m) (2)
Zur Tofernscharte (2091 m) (2)
Zur Tofernscharte (2091 m) (1)
Zur Tofernscharte (2091 m) (1)

Ab Hüttschlag (960 m) beginnt dann die über 1000 hm lange Auffahrt zur Tofernscharte. Mittlerweile überwiegt bei mir die Zuversicht, dass das in vernünftiger Zeit zu schaffen sein sollte. Sie führt uns hinüber nach Bad Gastein. Zur Sicherheit mache ich noch telefonisch eine Übernachtung im Hotel Stubnerhof klar. Die Piste lässt sich ausgezeichnet fahren, perfekte Steigung ohne Quälerei, nur Arndt gehen leider die Gänge aus. Wir vereinbaren eine Pause an der Harbachalm (1612 m), der letzten Station vor der Schiebestrecke zur Tofernscharte (2091 m). Dort trinken wir noch etwas und ernten mit unserem Plan, weiter nach oben zu wollen, ein wenig Verwunderung. Nun gut, fahren geht natürlich nicht mehr, aber der Weg ist zunächst gut zu schieben. Erst weiter oben lege ich mir das Rad ab und zu mal auf die Schultern. Insgesamt nix Wildes. Aber wenn die Hütten fast nur noch von E-Bikern angefahren werden, ist dieser Weg natürlich etwas ungewohnt.

Gamskarkogel (2467 m)
Gamskarkogel (2467 m)
Abfahrt von der Tofernscharte
Abfahrt von der Tofernscharte
Blick von der Tofernscharte nach Bad Gastein
Blick von der Tofernscharte nach Bad Gastein

Arndt kommt kurz nach mir oben an. Es ist herrlich, in der Abendsonne das Panorama einwirken zu lassen. Und wir blicken beide erwartungsvoll auf die Abfahrt; sieht nicht schlecht aus, aber nach meinen Recherchen nicht komplett fahrbar. Tief unten liegt Bad Gastein (1000 m) bereits in der Abenddämmerung. Also nichts wie runter.

Abfahrt von der Tofernscharte
Abfahrt von der Tofernscharte

Doch lange währt die Fahrt nicht an. Wenige Meter Fahren wechseln sich ab mit verblockten Abschnitten aus Steinen, Wurzeln und nervigen Gegenanstiegen. Wir verlieren kaum Höhe. Was für ein grottiger Weg. Mit einem Rad ist man hier absolut spaßfrei unterwegs. Ich habe wegen der fortgeschrittenen Zeit einen der seltenen Momente, wo ich meine Laune ein bisschen verliere. Erst ab der Poserhöhe (1505 m) läuft es besser, doch es ist spät geworden. Und wir sind bereits seit 8 Uhr auf den Beinen. Es reicht.

Ein Almweg ist nun die schnellste Variante nach unten. Doch dieser verwickelt uns noch in eine Diskussionsrunde mit einem Bauern, der nicht gut auf Mountainbiker zu sprechen ist. Wir bleiben höflich und erklären, dass wir sicherlich immer und überall alle Weidegatter schließen. Die Wogen glätten sich und wir können ohne Streit passieren. Der Almweg macht sogar Laune, und ist ein ziemlicher Bremsenkiller, denn es geht endlich mal richtig nach unten. Nach 500 hm erreichen wir eine kleine Straße, die uns in wenigen Minuten ins Kötschachtal zu unserem Hotel führt.

Was ein Tag! 90 km bei 1900 hm ist eine ganz schöne Nummer. Ein echter Härtetest und mit Abstand der anstrengste Tag der ganzen Tour. Aber es war klar, dass es lang wird. Geduld forderte allerdings die „Abfahrt” von der Tofernscharte. Hätte ich gewusst, dass da so viel zu Schieben ist, wäre das vom Kopf her einfacher gewesen. Denn in die Route passt der Übergang einfach perfekt, wenn man nicht nur durch das Tal rollen möchte. Also durchaus zu empfehlen. Das Hotel ist ebenfalls zu empfehlen, die Preise sicher angenehmer als im nahen Gastein. Nur die Küche ist nicht weit weg vom Fertiggericht. Da geht noch was.

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