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Höhenprofil Tag 3
Höhenprofil Tag 3

Sonntag, 19. August 2018

Tag 3: Der Hauptkamm

Bad Gastein - Sport Gastein - Hagener Hütte (Niederer Tauern) - Mallnitz Streckenbeschreibung

Start: 09:00 Uhr - Stop: 17:00 Uhr - Kilometer: 35 km - Höhenmeter: +1525 hm / -1350 hm - Maximale Höhe: 2440 m - Schnitt: 7,1 km/h - Max: 64 km/h - Fahrzeit: 4:45 h

Hotel Stubnerhof im Kötschachtal (1036 m)
Hotel Stubnerhof im Kötschachtal (1036 m)
Bad Gastein (1000 m)
Bad Gastein (1000 m)
Bad Gastein (1000 m)
Bad Gastein (1000 m)

Am Morgen nehmen wir einen Waldweg hinüber nach Bad Gastein (1000 m). Das große Spektakel im Ort ist natürlich der große Wasserfall, der trotz niedrigem Wasserstand mit etlichem Getöse über mehrere Stufen durch den Ort rauscht. Gastein wurde quasi um den Wasserfall herum gebaut. Dies ist in der Alpengegend einzigartig. In der Gischt könnte man es sich sogar auf Liegen bequem machen. Im Schatten des Morgens brauchen wir das allerdings nicht. Insgesamt wirkt der Ort etwas aus der Zeit gefallen. Tolle Gebäude wechseln sich ab mit verlassener oder verfallener Bausubstanz. Dazwischen einige Bausünden. Sehenswert und sicher ein Highlight unserer Strecke.

Bad Gastein (1000 m)
Bad Gastein (1000 m)
Bad Gastein (1000 m)
Bad Gastein (1000 m)
Böckstein (1131 m)
Böckstein (1131 m)

Wir kämpfen uns parallel zum Wasserfall steil nach oben, und gelangen am oberen Ortsausgang in ein Hochtal und über einen Fahrradweg nach Böckstein (1131 m). Von hier wären es nur noch wenige Meter zur Verladestation der Tauernbahn, mit der man als Radlfahrer üblicherweise die Tauern bis Mallnitz durchquert. Aber eine Transalp verfolgt andere Ziele, das heißt, wir wollen oben drüber. Dazu gibt es nur zwei Wege, der Hohe Tauern (2459 m) oder der Niedere Tauern (2445 m), in der Höhe praktisch identisch. Dennoch erscheint der Niedere Tauern als die sinnvollere Strecke. Oben steht nämlich die Hagener Hütte, an der man Rasten kann, und deren Versorgungsweg zumindest hinunter nach Süden Fahrbarkeit verspricht. Der Hohe Tauern ist dagegen hoch als auch runter Knochenarbeit - in toller Landschaft und Einsamkeit. Ich kann dennoch vorwegnehmen, dass wir mit unseren Rädern auch an der Hagener Hütte Unikate waren.

Salzburger Almenweg nach Bad Gastein
Salzburger Almenweg nach Bad Gastein
Sport Gastein (1588 m)
Sport Gastein (1588 m)

Vor dem Aufstieg auf den Hauptkamm müssen wir noch nach Sport Gastein (1589 m). Der Plan dafür war die Mautstraße, was im Nachhinein totaler Nonsens gewesen wäre. Die Straße ist für Räder auch nicht erlaubt, was uns an der Maustation auch deutlich klar gemacht wurde. Unten am Bach verläuft nämlich der Salzburger Almenweg, vermutlich ehemals der einzige Weg nach Sport Gastein. Auf einer wunderschönen alten Piste gelangen wir so bis ins Naßfelder Hochtal. Dies war weder an der Beschilderung noch in der Karte vorab zu erkennen. Hier kann der Tourismusverband nachbessern.

Naßfeldalm (1605 m), dahinter der Hauptkamm
Naßfeldalm (1605 m), dahinter der Hauptkamm
Pause an der Naßfeldalm (1605 m)
Pause an der Naßfeldalm (1605 m)

Es ist Sonntag und schon am Morgen unendlich viel los bei Sport Gastein. Etliche Jausenstationen laden zu einer Pause ein. Auch wir können nicht wiederstehen und genehmigen uns ein zweites Frühstück an der Naßfeldalm. Viel Fahren ist sowieso nicht mehr, also keine Eile. Gegenüber gestern ist diese Etappe zeitlich auch entspannt.

Diesen Hang geht es hoch ...
Diesen Hang geht es hoch ...
Innehalten ...
Innehalten ...
Voller Einsatz
Voller Einsatz

Nach der Pause rollen wir noch ein paar Meter bis zur Veitbauernhütte (1645 m), dann heißt es neben dem Rad Platz zu nehmen. Wir verlassen das Gewusel im Tal und der Aufstieg zur Hagener Hütte (2448 m) beginnt. Es war klar, dass dies eine Schiebestrecke wird. Wie es mit Tragen aussehen würde, sollte sich vor Ort zeigen. Nun ja, realistisch betrachtet ist bis auf kleine Abschnitte alles zu Tragen, also die gesamten 800 hm. Der Pfad führt meistens durch eine tiefe Rinne, wo einfach kein Platz ist für Biker und Bike. Dazu kommen immer wieder Stellen, an denen das Bike gewuchtet werden muss. Ich trage ja gerne, über so eine Länge ist es aber auch für mich ein Novum. Nur Arndt schafft es irgendwie das Rad über weite Strecken doch zu Schieben. Sein Bock wiegt aber auch 4 kg mehr als meiner. Auf jeden Fall haben wir reichlich Zeit, die großartige alpine Welt in Ruhe auf uns einwirken zu lassen. Eine Herde Pferde muss auch noch passiert werden.

Blick zurück ins Naßfelder Hochtal
Blick zurück ins Naßfelder Hochtal
Fast oben, Hagener Hütte (2448 m) im Blick
Fast oben, Hagener Hütte (2448 m) im Blick
Weidepferde
Weidepferde
Blick nach unten, hinten der Untere Bockhartsee
Blick nach unten, hinten der Untere Bockhartsee

Die  Hagener Hütte (2448 m) ist erreicht
Die Hagener Hütte (2448 m) ist erreicht
Hagener Hütte (2448 m)
Hagener Hütte (2448 m)

Ich komme lange vor Arndt an der Hagener Hütte an und sorge dort mit dem Radl für verwunderte Blicke. Das scheint nicht oft vor zu kommen. Aber zum Glück sieht die Abfahrt nach Süden tatsächlich äußerst bikerfreundlich aus. Doch erst mal Mittagspause. Natürlich kann man in der Hagener Hütte auch übernachten, aber sowohl der etwas ungemütliche Gastraum, als auch der gewöhnungsbedürftige Wirt laden uns nicht dazu ein. Wir wollten sowieso wieder runter.

Abfahrt von der Hagener Hütte
Abfahrt von der Hagener Hütte
Abfahrt auf dem Versorgungsweg
Abfahrt auf dem Versorgungsweg

Der Versorgungsweg der Hütte ist natürlich kein Trail, bei der üblen Beschaffenheit aber absolut Mountaibike-würdig. Das Gefälle ist vernünftig, man muss also nicht permanent voll in die Bremsen packen. Erwähnenswert ist noch eine Aktion, bei der ich fast unwirkliches Glück hatte, also Murphy mal umgedreht: der Verlust und das Wiedererlangen meines Mobiltelefons. Man nehme drei Wanderer - die einzigen Personen, die uns auf der gesamten Abfahrt begegnen - und einen Radlfahrer (nämlich mich), der im Verlauf der Abfahrt kurz stoppt. Dabei vernehme ich von weit oben von den Wanderern Schreie, die nach „Handy” klingen könnten. Ein schneller Blick zum Lenker und die Sache ist klar: mein Telefon ist weg. Totgerüttelt. Die Schraube der Lenkerhalterung hat sich wohl verabschiedet. Ich schreie zurück, dass sie es einfach liegen lassen sollen und steche die gut 50 hm im Wiegetritt nach oben. Das Telefon ist auf den ersten Blick unversehrt, wandert aber erst mal in den Rucksack. Der Tag kann nur noch gut enden, denn meine gesamte Streckenplanung befindet sich auf dem Ding. Nur die Telefonnummern habe ich offline.

Blick zurück zum Niederen Tauern
Blick zurück zum Niederen Tauern

Eine weitere nette Anekdote: am unteren Ende des Hüttenweges prangt ein fettes „Fahrad verboten”-Schild. Die Auffahrt zur Hagener Hütte ist also gar nicht erlaubt. Kommt man allerdings aus Gastein herüber, gibt es dieses Schild nicht. Diese Variante ist anscheinend zu abwegig, für E-Biker sogar unmöglich.

Als wir bei der Jamnighütte (1748 m) Asphalt erreichen, spekuliere ich noch auf einen schönen Trail rechts des Baches und trenne mich von Arndt. Der Pfad wird aber nach den ersten netten Metern schnell zu einem verblockten Etwas, so dass ich wieder zurück schiebe und ebenfalls die Straße bis Mallnitz (1191 m) hinunter rolle. Hier beenden wir den heutigen Tag. Die von mir notierte Übernachtungsmöglichkeit Königshof sagt uns sowohl preislich, als auch räumlich nicht besonders zu, weshalb wir trotz leicht einsetzenden Regens noch ein bisschen durch den Ort rollen und uns letztendlich in der zweckmäßigen Pension Edlinger einquartieren. Beim Abendessen im Lokal nebenan kommt dann auch der erste richtige Regenschauer der Tour vom Himmel. Fazit zum heutigen Tag: harte Tragestrecke, die aus der sonst eher einfachen Tour herausragt und das nötige Etwas liefert.

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