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Höhenprofil Tag 5
Höhenprofil Tag 5

Donnerstag, 3. September 2020

Tag 5: Trailorgie

Valnontey - Cogne - Lillaz - Passo dell'Invergneux - Gimillan - Epinel - Jovençan Streckenbeschreibung

Start: 08:50 Uhr - Stop: 17:00 Uhr - Kilometer: 55 km - Höhenmeter: +1575 hm / -2700 hm - Maximale Höhe: 2902 m - Fahrzeit: 5:00 h

Morgen in Valnontey (1670 m)
Morgen in Valnontey (1670 m)

Es gibt Neuigkeiten. Der Krankenbericht listet bei Dirk einen Milzriss mit inneren Blutungen und eine Leberquetschung, keinen Rippenbruch. Er liegt auf der Intensivstation. Die Bergrettung hat sich gelohnt. Wie und wann wir heim kommen können, ist im Moment noch völlig offen. Ich mache mir da jetzt auch keine Gedanken drum und schmiede bereits einen Plan für den heutigen Tag. Mein Fuß tut nach wie vor im Bereich des Knöchels etwas weh und ist minimal dick. Sieht eigentlich nicht so wild aus (erst zu Hause erfahre ich, dass es ein Bänderriss ist). Ich werde nun nicht herumsitzen, sondern einfach mal weiter fahren. Heute stünde der Passo dell'Invergneux auf dem Tourplan. Das ist praktisch ein Kringel, was mir gut passt, da ich so flexibel bleibe und bei Bedarf am Abend auch bis Asota rollen kann. Außerdem will ich diesen Pass endlich mal machen, nach den vielen Lobpreisungen, die ich dazu gelesen habe. Er war eines der geplanten Highlights. Dirks Fahrrad lasse ich am Hotel zurück.

Blick zurück zum Col Lauson
Blick zurück zum Col Lauson
Vallone dell'Urtier mit Lago di Ponton
Vallone dell'Urtier mit Lago di Ponton

Ich rolle die Straße nach Cogne (1550 m) hinunter und kaufe dort endlich etwas Verpflegung. Über einen kurzen Waldweg geht's nach Lillaz (1610 m), wo ich ein längeres Gespräch mit Dirks Frau führe. Dann beginnt der lange Aufstieg, den ich sogar schon kenne. Abwechselnd auf Asphalt und Schotter geht es ziemlich genau 1000 hm hinauf, begleitet von einem dekorativen Bündel Hochspannungsleitungen. Beim letzten Mal bin ich dann weiter nach Osten zum Col Pontonnet, den man in Richtung Talschluss auch sehen kann. Heute biege ich nach einer Frühstückspause links vom Weg ab. Die restlichen 300 hm müssen geschoben und getragen werden. Der Aufstieg bis zum Pass ist eher leicht. Ich bin dabei trotzdem äußerst vorsichtig, um nicht noch einmal mit dem Fuß umzuknicken. Schöne Blicke auf die „Rückseite” des Gran Paradiso und den Lauson gibt es auch noch mal.

Passo dell'Invergneux (2902 m)
Passo dell'Invergneux (2902 m)
Invergneux-Trail (1)
Invergneux-Trail (1)

Am Passo dell'Invergneux (2902 m) sitzt bereits eine 4er Gruppe MTBler beim Mittagessen. Ich mache ein paar Fotos und starte direkt das Trailabenteuer. Es beginnt vielversprechend. Ein S1-Pfad schlängelt sich über harmlose Felsen und weite Wiesen ein bildschönes Hochtal hinunter. Ich versuche langsam zu fahren, um die Sache hinauszuzögern. Es wäre zu Schade, wenn der Weg irgendwann zu Ende ist. Leider fehlen mir mangels Mitfahrer schöne Radlbilder, aber auch die Stillleben sind sehr passend, um die Stimmung in diesem einsamen und ruhigen Tal auszudrücken.

Invergneux-Trail (2)
Invergneux-Trail (2)
Invergneux-Trail, technisch
Invergneux-Trail, technisch

Bis zur verlassenen Siedlung Grauson Inferiore (2280 m) geht es ohne nennenswerten Schwierigkeiten mit Genusstrailen weiter. Dann zieht der Weg etwas an. Die Vegetation beginnt und es wird ausgesetzter und technisch fordernder. Ein paar Schiebestücke sind nun dabei. Immer mit viel Vorsicht wegen meines Fußes, dem ich nicht zu viel zumuten möchte. Mir wäre es lieber gewesen, durchfahren zu können bis zur ersten Ortschaft Gimillan (1790 m). Trotzdem eine geniale Abfahrt, die Erwartungen wurden erfüllt. Und der Spaß ist noch nicht zu Ende.

Blick ins Valnontey zum Gran Paradiso
Blick ins Valnontey zum Gran Paradiso

Ich mache aber erst mal Pause, um mit dem wiedergewonnen Mobilempfang ein paar Dinge zu regeln. Doch viel Neues gibt es noch nicht. Dirks Frau wird mit seinem Arbeitgeber klären, ob ich seinen Firmenwagen alleine heimfahren darf. Wie lange sein Krankenhausaufenthalt dauern wird, ist noch nicht bekannt. Ich stelle mich jedenfalls darauf ein, am nächsten Tag nach Aosta zu fahren, um den Autoschlüssel im Krankenhaus abzuholen. Mir war ohnehin klar, dass ich nicht zum Monte Fallere hinauf fahren werde, um die Tourplanung alleine durchzuprügeln. Außerdem erspare ich meinem Fuß so eine Menge Schieberei. Es war für mich allerdings nie eine Option, mein Rad ebenfalls stehen zu lassen, um mit dem Bus zurück in Schweiz zu fahren. Dazu ist alleine das Wetter zu gigantisch. Ich versuche einfach das Beste draus zu machen und die verbliebene Strecke sinnvoll zu gestalten.

Von Gimillan führt ein weiterhin sehr schöner Mountainbike-Weg bis in den Talgrund bei Epinel (1460 m), wo sich die Straße dann nicht mehr vermeiden lässt. Aber 1500 hm Abfahrt sind ja schon mal was :) Die Straße runter zu blasen macht dann ebenfalls eine Menge Spaß. Mit den Gegenanstiegen hatte ich dabei nicht gerechnet. Bei Pondel bleibe ich auf der Straße und verlasse damit die Tourplanung. In meiner Erinnerung finde ich noch einen Tipp für eine Übernachtung in der Albergo Pineta. Es ist zwar erst früher Nachmittag, aber da ich noch keine Bleibe habe, versuche ich es einfach mal. Nach Aosta ist es ja nicht mehr so weit.

Der Wirt kann oder will mich zuerst nicht verstehen, er wirkt zudem sehr unfreundlich. Es ist angeblich auch alles voll. Ich bin nicht böse, dass das jetzt nicht geklappt hat. Dann fahre ich halt weiter. Ebenfalls ein Tipp war der nun anschließende Trail, der sich langsam das Aostatal hinunter zieht. Am Anfang eher ein Forstweg, wird es später richtig schön. Kleine Gegenanstiege stören auch kaum und bringen etwas Abweschlung. So geht es noch mal 300 hm nach unten und der Tag geht in Summe mit einer waren Trailorgie in meine Erinnerung ein.

Jovençan im Aostatal
Jovençan im Aostatal

Ich stehe nun vor den Toren von Jovençan, so etwas wie ein Vorort von Aosta. Booking.com liefert nur teure Treffer. Zu guter Letzt entscheide ich mich für ein wirklich hübsches Zimmer für 80€. Keine 10 Minuten später bin ich dort und stehe leider vor verschlossener Tür. Eine gute Stunde sitze ich dort und habe weder mit Mails noch Telefonanrufen irgendeinen Erfolg. Weiter fahren wäre trotzdem blöd, denn das Zimmer ist bereits bezahlt. So kontaktiere ich den Notruf von Booking.com. Auch die haben keinen Erfolg beim Kontaktieren. Wir vereinbaren, dass ich noch eine halbe Stunde warte und dann stornieren kann.

Suite
Suite

Dies ist dann zum Glück nicht mehr nötig, weil endlich eine Frau erscheint und sich für mich zuständig fühlt. Die Vermieter sind anscheinend im Urlaub und sie macht nur Vertretung. Ich habe jedenfalls gelernt, dass ich nicht mehr so kurzfristig etwas buchen werde. Man kann in dem Fall wirklich einfach vorbei fahren. Das Zimmer ist tatsächlich klasse. Äußerst stillvoll und modern. Da lass ich es mir mal gut gehen. Essen gibt es nebenan in einer Pizzeria. So etwas gab es zwar gestern erst, aber was soll's.

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