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Höhenprofil Tag 6
Höhenprofil Tag 6

Freitag, 4. Septe,ber 2020

Tag 6: Tourabschluss

Jovençan - Aosta - Arpuilles - Excenex - Etroubles - Plan Puitz - Passstraße - Fenêtre Ferret - La Fouly Streckenbeschreibung

Start: 9:00 Uhr - Stop: 18:45 Uhr - Kilometer: 60 km - Höhenmeter: +2600 hm / -1775 hm - Maximale Höhe: 2698 m 

Unterkunft in Jovençan
Unterkunft in Jovençan

So gut das Zimmer, so armselig das Frühstück. Wegen Covid-19 musste ich dieses in der ungemütlichen Frühstücksbar einnehmen, die sich im Erdgeschoss befindet. Abgepackte Croissants und Cappucino. Das kann man mal machen, dafür war das Zimmer dann aber doch zu teuer. Schwamm drüber, es gab wahrlich unabgenehmere Erlebnisse auf dieser Tour. Die geht nun so weiter, dass ich den Autoschlüssel bei Dirk holen werde. Er kommt nicht mit mir nach Hause, sondern wird im Krankenwagen transportiert. Ich bin also zeitlich mein eigener Herr und muss mich nicht nach ihm richten.

Aosta (580 m)
Aosta (580 m)

Über Radwege und Sträßchen gelange ich nach Aosta (580 m). Die Stadt, die dem Tal, der Region und der Tour den Namen gibt, die aber eigentlich gar nicht auf der geplanten Route liegt. Nachdem ich endlich am richtigen Krankenhaus aufgeschlagen bin, lotst mich eine Krankenschwester am sturen Empfang vorbei, sonst hätte ich wegen Corona gar nicht hinein gedurft. Dirk liegt zwar nicht mehr auf der Intensiven, aber er kann sich nur schlecht bewegen und wird künstlich ernährt. Wir quatschen ein paar Minuten, dann bin ich schon wieder weg.

Aostatal
Aostatal

Mir ist immer noch nicht klar, was ich nun machen soll. Das Tagesziel im ursprünglichem Tourplan wäre Etroubles auf halber Höhe zum Sankt Bernhard. Das kann ich ja mal ansteuern. Natürlich nicht auf der Originalroute, denn das wären nun schlappe 2000 hm zum Monte Fallere. Es gibt aber eine Alternative, an die ich mich erinnere, der Suonenweg Ru Neuf. Das ist ein Weg, der an einen Wasserkanal entlang nach Etroubles führt. Dahin werde ich mich mal orientieren.

Ich verlasse Aosta bergan und trete die kleine Straße nach Arpuilles (1000 m) hoch. Leider habe ich versäumt, vorher in Aosta noch etwas Verpflegung zu kaufen. Das schränkt mich wieder ein. In Arpuilles herrscht tote Hose, kein Laden, keine Bar, kein Brunnen, nix. Vielleicht im nächsten Ort Excenex (1050 m). Aber auch das Nest ist eher verschlafen. Wenigstens einen Brunnen gibt es. Mit Wasser gestärkt erklimme ich die letzten Meter zu Suone (1200 m).

Suone (1)
Suone (1)
Suone (2)
Suone (2)

Was nun kommt, hätte ich so niemals erwartet. Brettflach schlängelt sich ein Pfad mal neben und mal über der kleinen Wasserrine entlang. Mal über Wiesen, mal durch den Wald. Wunderschön und abwechslungsreich. Ich bin richtig begeistert. Über 10 km reines Genussbiken. Ein klitzekleiner Schlussanstieg und ich lande direkt in Etroubles (1270 m). Als Tagesziel zwar viel zu früh, aber für ein Mittagessen genau passend. Das nehme ich im Hotel Beau Sejour zu mir, was leider viel Geduld erfordert.

Während des Essens ist bei mir der Entschluss gereift, die letzte Etappe zu beginnen und heute so weit zu fahren, wie möglich, also vielleicht bis La Fouly zum Auto. Ich sehe keinen Sinn darin, die Tour alleine noch lange Laufen zu lassen. Das ist tatsächlich ein Vorteil, wenn man sein eigener Herr ist. Man kann völlig frei entscheiden, was man tut. Den Nachteil, abends alleine herum zu sitzen, macht das aber nicht wett. Das Sicherheitsrisiko schon gar nicht.

Étroubles (1270 m)
Étroubles (1270 m)
Am Fort im Plan Puitz (2104 m)
Am Fort im Plan Puitz (2104 m)

Für den langen Aufstieg zum Sankt Bernhard habe ich eine Route bekommen, die abseits der Passstraße führt. Die will man auch nicht hinauf fahren. Über Saint-Oyen (1350 m) folge ich einer kleinen Straße bis Eternon-Dessus (1720 m). Die Auffahrt liegt voll in der Sonne und es ist das erste Mal richtig heiß. Dann wird es waldiger und angenehmer. Die 400 hm bis zum kleinen Zwischengipfel Plan Puitz (2104 m) ziehen sich allerdings, denn der Weg gewinnt nur sehr langsam an Höhe und zieht sehr großen Kehren. Wasser gibt es keines. Ich könnte aber gut wieder welches gebrauchen.

Sankt Bernhard-Tunnel und Passstraße
Sankt Bernhard-Tunnel und Passstraße
Höhenweg zum Sankt Bernhard (1)
Höhenweg zum Sankt Bernhard (1)

Unter dem Plan Puitz ist eine alte Bunkeranlage in den Berg getrieben. Ich schaue sie mir nur teilweise an, will lieber weiter. Auf ein kurzes Tragestück folgt nun überraschenderweise eine steile Geländestufe, wo ich das Rad fast 100 hm bergab bugsieren darf. Das ist für meinen Fuß ziemlich unangenehm und gefällt mir überhaupt nicht. Im weiteren Verlauf scheint der Weg auch nicht mehr oft genutzt zu werden. Es könnte enenso eine Tierwechselspur sein, so schmal und verwachsen ist alles. Dank GPS-Track komme ich zielsicher durch und verlasse den Wald. Nun folgen ein paar wirklich schöne Kilometer auf einem Panoramaweg bis zur Passstraße, stellenweise verfallen und nur Schiebend zu passieren, sonst mit angenehmer Steigung zu fahren. Ein paar erholsame Tropfen Wasser finden sich auch noch am Wegesrand. Dazu herrscht eine Geräuschkulisse wie am Nürgburgring durch die Motorradfahrer auf der Passstraße unten im Tal.

Sankt Bernhard-Tunnel und Passstraße
Sankt Bernhard-Tunnel und Passstraße
Höhenweg zum Sankt Bernhard (2)
Höhenweg zum Sankt Bernhard (2)

Auch ich muss noch ein paar Kehren auf der Straße hinauf, allerdings nicht bis ganz oben, denn der letzte Übergang für mich ist das Fenêtre Ferret, das noch einmal 300 hm Schieben und Tragen bedeutet. Am Abzweig von der Straße kaufe ich an einer Alm noch etwas Wasser. Die Versorgung ist heute wirklich etwas dürftig. Zum Pass stapfe ich mit ganz kleinen vorsichtigen Schritten. Ich bin sowieso schon etwas geschafft, es ist bereits ein langer Tag.

Baou (2360 m) mit Passstraße
Baou (2360 m) mit Passstraße
Aufstieg Fênetre Ferret
Aufstieg Fênetre Ferret

Am Fenêtre Ferret ist es fast 18 Uhr. Also schnell runter und in La Fouly wieder ins Hotel Edelweiss. Die Abfahrt beginnt auch vielversprechend. Vor einer Traumkulisse geht es im Abendlicht an zwei Bergseen entlang hinunter. Es ist nicht alles fahrbar, aber die Landschaft entschädigt. Dann zieht der Weg noch ein bisschen stärker an. Auf S3-Niveau quäle ich mich nun müde zu Tal, immer darauf bedacht, beim Absteigen vom Rad den Fuß nicht falsch zu belasten. Nach 600 hm ist ein Almweg erreicht. Ziemlich genau die Stelle, an der wir am ersten Tag unseren Verfahrer bemerkt haben. Heute allerdings ohne Schnee in schöner Abendsonne. Ich sehe nun zu, dass ich das Ziel erreiche. Das Fenêtre Ferret ist schon ein schöner Pass, aber vermutlich der schwierigste der ganzen Tour. Am Abend und mit 2600 hm in den Beinen konnte ich es jedenfalls nicht mehr so richtig genießen.

Fênetre Ferret (2698 m)
Fênetre Ferret (2698 m)
Abfahrt Fênetre Ferret
Abfahrt Fênetre Ferret

Gegen 19 Uhr bin ich in La Fouly (1600 m). Natürlich könnte ich nun ins Auto steigen und nach Hause fahren. Da ich aber auch noch Dirks Fahrrad in Valnontey abholen muss, völlig unrealistisch. Da sich das Hotel Edelweiss bereits bewährt hat, werde ich dort noch mal übernachten. Ein Zimmerchen ist zwar frei, doch leider ist der Preis für mich alleine eine Zumutung. 170 SFr soll ich berappen. Mein unglücklicher Blick zeigt aber Wirkung. Im Keller gibt es auch ein Matratzenlager. Preis 70 Sfr. Das ist ok. Das Lager gewinnt sicher keinen Schönheitspreis, erfüllt aber seinen Zweck.

Abfahrt Fênetre Ferret miz Mont Blanc (links)
Abfahrt Fênetre Ferret miz Mont Blanc (links)
Gran San Bernado (mit dem Auto)
Gran San Bernado (mit dem Auto)

Schlussendlich bin ich heute quasi 2½ Etappen durch gefahren, zumindest mit Blick auf meine originale Tourplanung. Das ist ganz ordentlich, auch wenn es nicht ganz genau die geplante Strecke war. So feiere ich alleine meine Zielankunft, die unabhängig von den Ereignissen bei einer Rundtour immer etwas weniger bewegend ist. Man steht halt wieder am Auto. Landschaftlich und von der Strecke war es aber eine großartige Runde. Wir hatten großes Glück, dass der Schnee so schnell wieder weg war. Ich bin mit der Routenplanung absolut zufrieden und werde sicher wieder in die Gegend von Aosta kommen. Morgen stehen mir noch 5 bis 6h Autofahrt im Sonntagsausflugsverkehr über den Großen Sankt Bernhard bevor, um Dirks Fahrrad abzuholen, um dann noch mal so lange nach Hause zu fahren. Gleichzeitig wird Dirk im Krankenwagen nach Deutschland überführt. Dort wird er noch weitere 5 Tage im Krankenhaus verbringen.

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