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Höhenprofil

Donnerstag, 20. Juli 2006

Tag 9: Vom Pasubio nach Riva

Rifugio Papa - Sette Croci - Rif. Lancia - Rovereto - Riva Streckenbeschreibung

Start: 8:00 Uhr - Stop: 12:30 Uhr - Kilometer: 52 km - Höhenmeter: +350 hm / -2125 hm - Maximale Höhe: ca. 2175 m  Schnitt: 15,7 km/h - Max: 63 km/h - Fahrzeit: 3:20 h  - Temperatur: 19 - 44 C°

Rifugio Papa am Morgen
Rifugio Papa am Morgen
Arco Romano
Arco Romano
Auffahrt zum Pasubio
Auffahrt zum Pasubio

Letzter Tag, Sonne, toll! Der Preis ist mit ca. 40 € für die Orgie von gestern Abend äußerst angenehm. Wir verabschieden uns von den Wanderern und starten gemütlich in Richtung Sette Croci (2206 m). Der Weg gleicht einer Schotterwüste und ist nur im kleinsten Gang zu bewältigen. Heute wird ein wenig Sightseeing betrieben. Der Pasubio bietet dazu reichlich Gelegenheit, nachdem die Italiener und Österreicher sich hier im Ersten Weltkrieg bis auf's bitterste bekämpft haben. Erster Stopp ist der Torbogen in dessen Sockel sich eine kleine Gruft befindet, in der einige Grabsteine zu sehen sind. Ein kurzes Stück weiter halten wir an einer kleinen Kirche, die aber leider geschlossen ist. Ein Stück höher sieht man die Dente Italiano und Dente Austriaco, an denen sich die Soldaten in ihren Tunnelsystemen gegenüberstanden und fast die Hand geben konnten, bis sie sich gegenseitig in die Luft gesprengt haben. Die Sette Croci sollen heute an die gefallenen Soldaten erinnern. Das Geröllfeld liegt angeblich noch so, wie es bei der Sprengung zurückgeblieben ist.

Gedenkbogen Arco Romano
Gedenkbogen Arco Romano
Gedenkkapelle
Gedenkkapelle
Dente Italiano und Dente Austriaco
Dente Italiano und Dente Austriaco
Pasubio: Blick zurück zum Arco Romano
Pasubio: Blick zurück zum Arco Romano

Gedenkkreuze Sette Croci
Gedenkkreuze Sette Croci
Trail E5 am Pasubio
Trail E5 am Pasubio

Wir verlassen nun den geschichtsträchtigen Ort auf dem E5 in Richtung Rifugio Lancia (1894 m). Zunächst müssen wir ein ganzes Stück lang unsere Räder über verblocktes Terrain schieben. Alexander bleibt auffällig hinter mir zurück. Später wird der Weg zu einem Traumtrail, der an der Flanke des Berges bei leichtem Gefälle zwischen kleinen Kiefern entlang führt. In der Ferne kann man den Ledrosee sehen.

Trail E5 am Pasubio
Trail E5 am Pasubio

Alexander schiebt auch hier das meiste. Er erzählt er mir von seiner Höhenangst, die ja auch gestern schon zu spüren war, die mir aber nicht richtig bewusst war. Und das nach fast 10 Jahren gemeinsamer Alpentouren. Unglaublich. Als wir kurz vor der Lancia in Richtung Bochetta di Foxi (1720 m) abbiegen, kommt es zum Streit. Der Weg ist bereits auf den ersten Metern sehr ausgesetzt und ich habe keine Ahnung, wie er in Richtung Anghebeni weiterführt. Es gibt nur eines: Umkehren zur Rifugio Lancia. Ich bin genervt, schließlich war die Trailabfahrt nach Anghebeni einer der Gründe, warum ich mir nochmal den Pasubio gegeben habe. Anschließend hatte ich auch noch den gegenüberliegenden Monte Zugna im Plan. Ehrlich betrachtet, wäre dieser wohl aufgrund der wieder aufkommenden Hitze ausgefallen.

Nun muss ich also auf ein Weiteres die endlose und langweilige Schotterpiste hinunterbremsen. Wenigstens kann man den Weg ab und zu auf kleinen Trailstücken schneiden. Alexander ist weit hinter mir. Eine gewisse Spannung ist nicht zu leugnen. Als wir wieder Teer unter den Stollen haben, bessert sich die Lage. Die Zivilisation ist in greifbarer Nähe und Höhenangst auch kein Thema mehr. Als wir zwischen den Bäumen einen ersten Blick auf das tief liegende Rovereto (204 m) erhaschen, ist der Trail und der Monte Zugna fast vergessen. Zwischen Pozza und Moscheri landen wir sogar nochmal auf einer kurzen anspruchsvollen Schotterpiste, die uns in Moscheri (525 m) direkt an einem kleinen Supermarkt ausspuckt. Gute Gelegenheit für eine frühe Mittagspause. Besser hier im gemütlichen Bergdorf, als im dreckigen und lauten Rovereto.

Zielfoto
Zielfoto

Dieses haben wir über die Straße in wenigen Minuten erreicht. Eine 2000 Meter Abfahrt geht zu Ende. Irgendwie bin ich froh, aus der alpinen Einsamkeit heraus zu sein und wieder sicheren Boden unter den Füssen zu haben. Ohne Zwischenstopp biegen wir direkt auf den Radweg in Richtung Riva ein. Dieser scheint sich bei Mori jedes Jahr leicht zu verändern. Es ist brutal heiß. Ich bin fast erleichert, dass die heutige Etappe so schnell endet.

In Riva quartieren wir uns direkt in meiner neuen Stammunterkunft Pension Benjamino ein. Sie haben nur ein Zimmer für eine Nacht, was mich nicht stört. Ich habe Alexander bereits gesagt, dass ich auf jeden Fall morgen nach Hause fahre, da ich nicht so der Gardasee-Fan bin und zurück zu meiner Familie will. Er will allerdings einen Tag länger bleiben, das heißt für ihn, morgen nochmal Quartier suchen.

Dann kommt es doch anders. Quartiersuche ist blöd und alleine einen Tag am See rumhängen auch. Außerdem ist es erst Mittag und wir haben wir ja heute bereits einen halben Tag Aufenthalt. Alexander kommt mit mir. Der Kompromiss sieht allerdings so aus, dass wir noch gemütlich frühstücken und dadurch nach der anderthalbstündigen Tour über den Radweg in Rovereto erst spät einen Zug in Richtung Brenner bekommen. Vom Brenner nach Innsbruck gesellen sich noch zwei weitere Mountainbiker zu uns und wir können ordentliches Windschattenfahren praktizieren. Der Wind, der einem auf dieser Strecke jedes Jahr entgegenblässt, ist absolut zuverlässig. Nach kurzer Nahrungsaufnahme im Bahnhof sitzen wir auch schon im Anschlusszug nach Kufstein. Von dort bis Kiefersfelden sind es nur noch wenige Meter am Inn entlang. Spät am Nachmittag treffen wir wieder am Auto ein. Ein weiterer Alpencross geht traurigerweise zu Ende. Es war mein 10ter und soll vorerst mein letzter sein. Für das nächste Jahr plane ich eine kürzere Tour, eventuell ein Rundtour. Das ist noch offen.

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