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Mittwoch, 24. Juli 2002

Tag 8: Über Lavarone und Monte Maggio ins beschauliche Posina

Albergo Monte Rovere - Passo Sommo Alto - Passo Coe - Monte Maggio - Posina Streckenbeschreibung

Start: 09:30 Uhr - Stop: 18:30 Uhr - Kilometer: 47 km - Höhenmeter: +1100 hm / -1750 hm - Schnitt: 9,1 km/h - Fahrzeit: 5 h

Übernachtung in der Albergo Monte Rovere
Übernachtung in der Albergo Monte Rovere

Es ist diesig heute morgen. Wir hätten zwar noch die Möglichkeit, den Piz Levico nachzuholen, was 650 hm zusätzlich bedeutet, da die harten Etappen der vergangenen Tage aber deutlich ihre Spuren hinterlassen haben, streichen wir diese Idee. Wir lassen es gezielt gemütlich angehen und starten sehr spät, das Tagesziel ist Posina. Elmar ist bereits im vergangenen Jahr diese Etappe gefahren, das passt also ganz gut. Bereits heute halb auf den Pasubio hinaufzufahren muss nicht sein. Wir folgen zunächst der Straße, um keinen Ort zu verpassen, denn wir brauchen dringend einen Supermarkt. Nur einen kleinen Abstecher zum Fort Belvedere erlauben wir uns. Nach diesem interessanten Erlebnis mit Blick ins Val d'Astico, finden wir in Capella einen Laden, plündern ihn restlos und machen direkt ein kleines zweites Frühstück. Weiter auf der Straße, vorbei am Lago di Lavarone und am Commando Austriaco, das wir uns nicht ansehen, erreichen wir Carbonare (1074 m). Wie schon bei meiner letzten Tour über die Lavarone Hochebende, finde ich die Gegend auch diesesmal uninteressant und langweilig. Ich versuche in einer Touristinfo die Telefonnummer der Unterkunft in Posina herauszufinden, die können mir aber nicht weiterhelfen. Wir telefonieren an einer Zelle kurz nach Hause und fahren weiter zum Passo del Sommo (1343 m). Aus schlechter Erinnerung an 2000 versuchen wir erst gar nicht den Weg am Bach entlang zu finden.

Fort Sommo Alto
Fort Sommo Alto

Mittlerweile plagt der Hunger, aber die Pizzeria am Pass hat geschlossen. Mein Essensplan scheint auch heute wieder ins Wanken zu geraten. Wir suchen kurz nach dem Weg und etwas gequält geht es weiter zur Rif. Stella d'Italia am Fort Sommo Alto. Wir fahren direkt bis zum Fort und machen oben drauf ein ausgedehntes Picknick mit den Zutaten aus dem Supermarkt. Das muss heute reichen. Elmar hat sich eine Taschenlampe mitgebracht, um ein wenig das Fort zu erkunden. Wir klettern hinein und folgen einem 200 m langen Gang. Ohne Licht wäre es wirklich stockfinster und mühseelig, wieder herauszufinden. Das würde auf jeden Fall für Spannung sorgen. Wir gelangen an einem Seitenstollen des Hügels wieder ins Freie und laufen zurück zu unseren Rädern am Fort. Während Elmar nochmal loszieht um weitere Gänge zu erkunden, habe ich genug und leere lieber weiter meinen Rucksack. Elmar taucht zunächst nicht mehr auf. Ich beginne mir ernsthaft Sorgen zu machen. Aber irgendwann kommt er mir mit strahlendem Gesicht entgegen und berichtet ausfürchlich von den vielen Gängen, die er erkundet hat.

Nebelbank und Regen am Monte Maggio (1853 m)
Nebelbank und Regen am Monte Maggio (1853 m)
Nur kurze Fahrstücke auf der Abfahrt vom Monte Maggio
Nur kurze Fahrstücke auf der Abfahrt vom Monte Maggio
Der alte LKW im Wald auf der "Abfahrt" vom Monte Maggio
Der alte LKW im Wald auf der "Abfahrt" vom Monte Maggio

Auf der anderen Seite des Tals blicken wir Richtung Monte Maggio, der nächsten Station. Der Himmel ist in dieser Richtung bedrohlich dunkel geworden. Es war ja den ganzen Tag schon etwas trübe. Nun beeilen wir uns, sind schnell am Passo Coe (1610 m) und biegen an der Malga Zonta (1543 m) Richtung Monte Maggio (1853 m) ab. Nach nur wenigen Metern ist es dann soweit und heftiger Regen prasselt auf uns hernieder. Unter einem Baum finden wir ein trockenes Plätzchen. Der Regen hört zwar schnell wieder auf, dafür haben wir nun dichten Nebel. Bis zum Gipfel sind es nicht viele Höhenmeter, aber der Weg ist kaum zu fahren, so hobbelig ist der Untergrund. Ich wünsche mir ein Fully. Am Gipfelkreuz herrscht Null Sicht. Schade, von hier müsste man schon sehr gut das Pasubio Massiv sehen können. Interessant ist, dass Elmar hier letztes Jahr fast dasselbe Wetter hatte. Auch der Blick ins Tal bleibt verwehrt. So bekommen wir kaum mit, wie steil es neben dem kleinen Trail hinuntergeht. Den Abstieg verbringen wir hauptsächlich neben dem Rad, fahren ist entweder nicht möglich oder sollte gut überlegt sein. Ich verfluche den schmalen Weg, auf dem man nie genug Platz für Mensch und Maschine nebeneinander hat. Auch die bescheuerten Stauden stören fürchterlich. Gut 400 hm vernichten wir auf diese für Biker dämlichste Art und Weise. Wir haben zwar schon vorher gewusst, was uns erwartet, kennen aber keinen anderen sinnvollen Weg nach Posina. Kurz nach dem alten LKW im Wald können wir endlich wieder fahren und stürzen uns hinunter bis zur Passstraße am Passo della Borcola (1207 m). Der LKW taucht sicher in jedem Bericht über den Maggio auf, man gerät unweigerlich ins Grübeln, welche Geschichte hinter dem Rosthaufen steckt. Ein Fahrweg ist nicht mehr zu erkennen und es ist alles mit Bämen zugewachsen. Ich schätze sein Alter auf über 50 Jahre.

Auf der bereits abgetrockneten Passstraße geht es noch dermaßen tief hinunter, dass man das Gefühl bekommt, sich dem Erdinnern zu nähern. Es macht zwar tierisch Laune, die Serpentinenkehren auszufahren, aber ich sorge mich um meine Schläuche. Die Maguras leisten volle Arbeit und es stinkt fürchterlich nach Gummi. Auch eine kurze Pause reicht nicht, um die Felgen etwas ausglühen zu lassen. Also fahren wir bis nach Posina (548 m) hinein und zum Glück hat keiner einen Bremsplatten. Echt ein beschauliches Nest, es scheint, als kennt jeder jeden. Wir checken im gleichen Lokal ein, in dem Elmar schon war, es ist auch das einzige. Das Zimmer befindet sich aber in einem etwas entfernteren Haus. Für unsere Verhältnisse sind wir heute verdammt früh am Ziel. Das Abendessen ist Wahnsinn. Die Mengen, die aufgetischt werden kann kein normaler Mensch essen und auch ein Biker schafft das nicht. Immer neue Gänge werden zu unserem Tisch gebracht. Es tut wirklich weh, dass wir soviel zurück gehen lassen müssen. Wahrscheinlich sind unsere Mägen während der Hungeretappen kleiner geworden. Aber auch am Nebentisch stöhnen ein paar Radler über die Essensflut. Wegen des akzeptablen Preises ist dies auch noch die günstigste Unterkunft, die wir in Italien haben, also empfehlenswert.

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